Test und Technik

SWM RS 650 R

Déjà vu

15.10.2015 00:00 (lü/br)

Die SWM ist völlig neu, die Marke ist ja soeben neu auferstanden. Dennoch kommt uns die RS 650 R irgendwie bekannt vor.


Schwungvoll unterwegs auf Nebenstrassen: Die Reifen sind vor der Schräglagenfreiheit am Ende (Bild: Fränzi Göggel) (Für mehr Bilder klicken)

Wieder da, unter neuem Namen, in alter Frische

Und nun ist sie also zurück, diese Husqvarna TE 630 von 2010; sie heisst neu SWM RS 650 R und verleitet zur Gretchenfrage: Wie schlägt sich ein Töff, der fünf Jahre nach seiner letzten Überarbeitung unverändert neu aufgelegt wird, im heutigen Kontext? Die Antwort: Rein funktional erstaunlich gut, doch im heutigen Markt ist die SWM RS 650 R ein absolutes Nischenprodukt in der Nische der strassentauglichen Einzylinder- Enduros. Heutzutage fahren auf der Strasse ja fast nur noch Zweizylinder- Enduros.

SWM ziert sich wie zuvor Husqvarna mit Leistungsangaben. Nach unserer Einschätzung kann man ohne Sozius (ausser auf der deutschen Autobahn) mit den Zweizylindern mithalten. Der Motor läuft ab etwa 2500/min rund, ab 4000 bis 7000/min hat er richtig Dampf, der Begrenzer kommt erst bei 8700/min. Mit dem hart schaltbaren Sechsganggetriebe kann man den Motor immer im leistungsträchtigen Bereich halten – wann man will. Bummeln geht halbwegs, etwas ruppig hängt der Motor schon am Gas, vibriert dafür im mittleren Bereich erstaunlich wenig. Das Fahrwerk passt für den Strassenbetrieb, sofern 900 mm Sitzhöhe keine zu hohe Hürde sind. Die Federelemente sind recht straff abgestimmt, kein Vergleich mit den japanischen Schaukeln der 90er-Jahre. Bis ca. 150 km/h ist die Stabilität gut, darüber fühlt sich die SWM gummig an. Die ellenlange Übersetzung würde theoretisch bis 180 km/h reichen.

Der Fahrersattel ist hart gepolstert, der Soziusplatz mit seiner dünnen Polsterung taugt nicht für die Langstrecke. Die Bremsen haben kein ABS, erwiesen sich als ausreichend und gut dosierbar, und mit dem schmalen 21er-Vorderrad lässt es sich trefflich in die Kurve bremsen, ohne dass man ein Aufstellmoment korrigieren muss. Selbstverständlich haben wir die RS 650 auch ins Gelände gescheucht. Die Stehposition ist brauchbar. Für die Crosspiste ist dieser Töff nicht gedacht, doch man kann damit ein wenig hüpfen, ohne dass Gabel und Federbein bei der Landung haltlos durchschlagen. Auf ruppiger Schotterstrasse spricht die Gabel nicht eben fein an, was sich noch bessern könnte: Der Töff hatte erst 250 km drauf. Gut unterhaltene Schotterpisten sind ein Genuss, der Töff ist schön ausbalanciert, und mit dem bei Bedarf kraftvoll zupackenden Motor lassen sich herrliche Drifts ziehen. Im Stadtverkehr ärgert der Einzylinder an der Ampel zuweilen mit unwilligem Anspringen. Eher selten ploppte der Motor bei langsamer Fahrt einfach aus. Ansonsten ist man mit solch einer leichten Enduro in der Stadt natürlich gut bedient. Dem breiten Einsatzbereich entspricht die Serienbereifung von Golden Tyre. Die RS 650 ist also keine Wettbewerbsenduro, aber auch keine Strassenmaschine im Geländegewand, sondern, wie anno 2010 MSS-Tester Tobias Kloetzli treffend bemerkte, «weder Fisch noch Vogel, kann aber gut schwimmen und fliegen».

 

Teil 1
Déjà vu
Teil 2
SWM: Neues Leben in stillgelegten Hallen

Teil 3
Als nur Weicheier einen Elektrostarter wollten
Teil 4
Wieder da, unter neuem Namen, in alter Frische
Teil 5
Und wie steht es mit den Details?
Teil 6
Leistung und Drehmoment SWM RS 650 R
Teil 7
Technische Daten SWM RS 650 R
Teil 8
Meine Meinung

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