Test und Technik

Kawasaki Ninja H2 Alltagstest

Alleskönnerin

24.10.2015 00:00 (red/br)

Wenn ein vielseitiger Alltagstöff gewünscht ist, fällt die Wahl nicht unbedingt auf die Kawasaki Ninja H2 – ausser bei Moto Sport Schweiz.


Wenn ein vielseitiger Alltagstöff gewünschtist, fällt die Wahl nicht unbedingt auf dieKawasaki Ninja H2 – ausser bei MSS. (Für mehr Bilder klicken)

… am Sonntagmorgen Gipfeli holen

An der Swiss-Moto 2015 stand sie da, im glänzendem Lack, mit neckischen Flügeln am Hinterteil, umschwärmt von in Vorfreude geifernden Männern. Für mich war dieser Bolide einfach ein gschpunnige Töff, dass ich das Teil jemals fahren würde, nein, damit rechnete ich nicht. «Möchtest du mal die Kompressor-Kawa fahren?», säuselt Rolf eines Abends. Kompressor, denke ich, warum nicht? Die Strassenarbeiter bewegen ja auch so was, wenn sie neu teeren, kann ja nicht so schlimm sein. Als ich die Kawa dann sah, schnallte ich erst, was mir da bevorstand. Wie um Himmels willen soll ich mit den 200 PS umgehen? Und wie komme ich mit dem Ding die Schotterstrasse hoch , die von unserm Haus auf die Asphaltstrasse führt? Und geregnet hats auch über Nacht. Tja, da hab ich mir was eingebrockt. Wenn ich nur schon wieder zu Hause wär! Den ersten Gang lasse ich grad aus, ich fahre sachte im zweiten an. Hm, geht ja, zögerlich zwar, und die Bestie wirft mich auf dem Schottersträsschen tatsächlich nicht ab. Die Sitzposition ist ungewohnt, der hyperenge Kniewinkel belastet die Scharniere, zusätzlich ist der Gummi der Fussrasten extrem klebrig. Auf jeden Zuck aus dem Handgelenk reagiert der Bolide. Fahre ich in einem kleinen Gang, wirft es mich lästig vor und zurück. Auf der schnellen Landstrasse hoch zum Piz Hugo, äh zur Schwägalp, wirds immer besser. Aha, schneller gleich einfacher, langsam gleich mühsam. Aber was ist schon schnell, auf dem Display leuchtet ein Regenschirm, ich hab den Regenmodus drin, die Strassen sind noch nass. Trotzdem ist der grosse Parkplatz an der Schwägalp rappelvoll. Flanierende Töffler, aber auch Wanderer und Ausflügler bleiben bei der Kawa H2 stehen. «Dä gshet au no schöö uus», findet eine ältere Frau in Wanderschuhen. Wahrscheinlich hat sie keine Ahnung, was für ein Kraftpaket sie als schön bezeichnet. In Wattwil stelle ich die Kompressor-Kawa beim Bäcker auf das Trottoir, direkt vors Schaufenster des Cafés. Hier darf man das noch. Die Gäste im Zmorgekafi bestaunen den speziellen Töff, der da plötzlich vor ihnen steht. Ich hingegen stopfe mir die eingekauften Gipfeli mangels Packträger vorne in die Jacke und fahre heim – zum Einkaufen ist sie nicht gebaut.

Fränzi Göggel

 

Teil 1
Alleskönnerin
Teil 2
… auf dem Glaubenberg, dem Brünig und Susten

Teil 3
… auf der deutschen Autobahn
Teil 4
… in der Stadt
Teil 5
… am Sonntagmorgen Gipfeli holen
Teil 6
… auf dem Prüfstand
Teil 7
… beim Harley-Indian-Club
Teil 8
… auf der Rundstrecke

««zurück
NEU! ePaper hier lesen!

Newsletter abonnieren

* Pflichtfeld