Test und Technik

Kawasaki Ninja H2 Alltagstest

Alleskönnerin

24.10.2015 00:00 (red/br)

Wenn ein vielseitiger Alltagstöff gewünscht ist, fällt die Wahl nicht unbedingt auf die Kawasaki Ninja H2 – ausser bei Moto Sport Schweiz.


Wenn ein vielseitiger Alltagstöff gewünschtist, fällt die Wahl nicht unbedingt auf dieKawasaki Ninja H2 – ausser bei MSS. (Für mehr Bilder klicken)

… auf der Rundstrecke

Ich nahm mit der Kawasaki H2 am Dunlop Motoday auf der Rundstrecke von Anneau du Rhin teil – und herrschte uneingeschränkt über die lange Gerade. Bis Mitte der Gerade können die anderen 1000er mithalten, dann sieht es aus der Sicht des H2-Piloten aus, als würden die alle sanft vom Gas gehen. Es reisst mich an den potentesten 1000ern vorbei, als würden die nur auf drei Zylindern laufen, ich geniesse (in Kauerstellung) sehr guten Windschutz und fast nahtloses Hochschalten mit dem Quickshifter. Die Gewissheit, dass vor dem Rechtsknick zwei Radial-Vierkolbenzangen in 330er-Scheiben beissen, lässt mich den Gasgriff noch eine Viertelsekunde länger an den Anschlag pressen. Aber der geneigte Leser will ja auch wissen, ob die H2 mehr kann als schnell geradeaus fahren. Ja, sie kann. Kritikpunkt anlässlich der ersten Testfahrten war ja die unsensible Gasannahme im Kurvenscheitel. Es ist schon so, dass da eine konventionelle 1000er gutmütiger reagiert, aber schliesslich bin ich mehr als ein Jahrzehnt Gelände-Zweitakter gefahren. Also mit der Kupplung den Lastwechselschlag auffangen und den Leistungseinsatz absoften. Dazu wenn immer möglich Gasgriff leicht geöffnet lassen, damit es keinen Lastwechselschlag gibt. Funktioniert einigermassen, aber nicht lückenlos, braucht Konzentration und kostet Zeit. Aus den Kurven raus beschleunigt die H2 bei mittlerer Drehzahl kräftig, aber dosierbar, doch die Geraden zwischen den Kurven sind plötzlich viel kürzer. Die Traktionskontrolle steht auf 1 (schwächster Eingriff), ausschalten will ich sie lieber nicht. In Wechselkurven muss kräftig zugepackt werden, da machen sich die 30 zusätzlichen Kilo (auf eine konventionelle 1000er) bemerkbar. Der Tank war randvoll, nach drei 20-minütigen Turns (103 km) ist die Reservelampe an, und auch die vorher schon gut gebrauchten Bridgestone RS10 sind am Ende. Da wir ja am Dunlop Motoday sind, wird umbereift auf Dunlop Sportmax GP Racer D211, ein strassenzugelassener Pneu für den Rundstreckeneinsatz. Die Einarmschwinge würde einen schnellen Reifenwechsel ermöglichen – wenn man nicht (den glühend heissen) Riesenauspuff abschrauben müsste. Der Dunlop GP 211 zeigt sich der Brachialleistung der H2 gewachsen und harmoniert dazu auf Anhieb mit diesem speziellen Töff. In drei Schritten passen wir die Fahrwerkseinstellung an, vorne mehr Druckstufe, hinten mehr Vorspannung und mehr Lowspeed-Druckstufe, worauf sich die Kurvenlinie viel besser halten und bei Bedarf (beschränkt) zuziehen lässt. Ich gebs zu, ich war mir nicht sicher, ob ich einen ganzen Tag mit der H2 rundum fahren wollte, und nahm darum auch meine private 1000er mit zum Dunlop Motoday. Sie verschlief den Tag im Lieferwagen. Warum sollte ich die einmal eroberte Herrschaft über die Zielgerade wieder hergeben?

Rolf Lüthi

Teil 1
Alleskönnerin
Teil 2
… auf dem Glaubenberg, dem Brünig und Susten

Teil 3
… auf der deutschen Autobahn
Teil 4
… in der Stadt
Teil 5
… am Sonntagmorgen Gipfeli holen
Teil 6
… auf dem Prüfstand
Teil 7
… beim Harley-Indian-Club
Teil 8
… auf der Rundstrecke

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