Test und Technik

Kleiner Rebell

Honda Rebel 500

15.06.2017 10:42 (js/ps)

Rebel – klingelt da was? Aber ja, so hiessen Softchopper mit 125 und 250 Kubik, die Honda von 1982 bis 2001 produzierte. Jetzt hat Honda diesen Namen reanimiert und schickt ihn als 500er im Bobber-Outfit ins Rennen um die Käufergunst.

Chopper, Cruiser oder Bobber unter ­einem Liter Hubraum stehen auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Noch düsterer sieht das Angebot in der Halb­literklasse aus, da herrscht totale Flaute. Doch Abhilfe naht aus einer Ecke, aus der man sie am wenigsten erwartet hätte: von Honda. Rebel heisst das Motorrad, das die Mannen um Projektleiter Keita Mikura nach den Messen Intermot und Eicma im letzten Herbst noch schnell aus dem Hut gezaubert haben. Den passenden Antrieb fanden sie im werkseigenen Motorenfundus in Form des Reihenzweizylinders aus der ak­tuellen CB 500, der für den Einsatz in der Rebel leichte Modifikationen erhielt. Mit geändertem Mapping und neuer Auspuffanlage sank die Leistung um 2 PS auf 46 PS bei unverändert 8500/min, während das maximale Drehmoment auf knapp 45 Nm angehoben wurde und nun bereits bei 6000/min ansteht.

 

Bulliger Bobber

 

Dem von Hause aus bulligen Charakter des quadratisch ausgelegten Zweizylinders tat diese Leistungsänderung fühlbar gut. Er kommt angesichts des relativ kleinen Hubraums von unten heraus überraschend kräftig in die Gänge und legt bei mittleren Drehzahlen deutlich an Dynamik zu. Agilität und Drehfreude kennzeichnen sein Arbeitscredo, ebenso eine ausgeprägte Laufkultur. Die Gasannahme ist perfekt, Lastwechselreak­tionen sind ihm fremd, und Vibrationen eliminiert die Ausgleichswelle zuverlässig. Der Twin beherrscht gemütliches Cruisen ebenso wie lustvolles Angasen.

 

Handlich & zielgenau

 

Mehr Arbeit als mit dem Motor hatten die Honda-­Leute mit dem Fahrwerk, denn das fand sich in keinem Regal. Ein einfacher Brückenrahmen aus Stahlrohr trägt den Motor, der sich dank seiner nach vorn geneigten Lage optisch fast nahtlos in die schräg verlaufenden Rohre einfügt. Die hinteren Federbeine besitzen fast den gleichen Neigungswinkel. Die konven­tionelle Telegabel steht mit 62 Grad Lenkkopfwinkel recht flach. Beide sind eher komfortabel abgestimmt. Die Rebel zeigt sich trotz fettem 130/90-16 Vorderreifen handlich und zielgenau. Sicher ein Verdienst des breiten Lenkers, über den sich die Maschine nahezu spielerisch dirigieren lässt. Selbst die Schräg­lagenfreiheit passt. Die Nissin-Bremsen hingegen könnten etwas mehr Biss vertragen. Neben den geforderten Handkräften ist auch die Dosierbarkeit nur mässig. Immerhin verwindet sich beim Verzögern die Gabel nicht, beim Bremsen in Schräglage stellt die Rebel mit ihrem breiten 16 ”-Vorderrad aber spürbar auf.

 

Puristische Coolness

 

Dem Stil des Töffs entsprechend entspannt nimmt der Fahrer Platz. Nur 690 mm über dem Teer thronend stellt er seine Füsse bequem auf den mittig positionierten Rasten ab. Das passt, und wäre die Sitzbank jetzt noch etwas weicher oder dicker gepolstert, könnte man es durchaus länger auf der Rebel aushalten. Doch so fängt der Hintern schon nach einer Stunde Fahrzeit an zu schmerzen. Noch härter trifft es den Sozius. Sein Sitzkissen taugt allerhöchstens zur Mitfahrt bis zum nächsten Café. Aber was soll’s, cooler wirkt die Maschine sowieso ohne das Polster, das sich nach dem Lösen zweier Schrauben ebenso leicht abnehmen lässt wie die Soziusrasten. Überhaupt herrscht an der Rebel der totale Purismus. Chromglänzende Flächen sucht man vergebens. Der einsame LCD-Tacho liefert seine spärlichen Informa­tio­nen bläulich schimmernd ab. Das Zubehörprogramm passt sich dem vorherrschenden Minimalismus an: Gepäckträger, Packtaschen, Windschutzscheibchen und Bordsteckdose, das war’s. Mehr muss aber auch gar nicht sein, sagt Honda, vielmehr soll die Rebel eine gute Basis für individuelle Umbauarbeiten darstellen. Bestimmt werden auf einschlägigen Veranstaltungen und Bikeshows erste Umbauten zu sehen sein.

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