Test und Technik

Schnitzel & Pommes Frites

Kawasaki Z 900 vs Yamaha MT-09

13.07.2017 13:47 (ml/ps)

Kawasaki Z 900 und Yamaha MT-09: Beide kosten weniger als 10 000 Franken. Beide feuern ­deutlich mehr als 100 PS ab. Beide füllen den Töffler-Magen mit satten Fahrleistungen. Beide sind optisch appetitfördernd angerichtet. Auf dem Menüplan steht aber nicht Chateaubriand im Gourmet-Tempel, sondern Schnippo im Rössli um die Ecke.    

 

 

Das Wichtigste gleich vorneweg: Was die brandneue Kawasaki Z 900 und die überarbeitete Yamaha MT-09 für weniger als zehntausend Franken zu bieten haben, ist schlicht der Hammer. Die beiden Spassgeräte sind für jedermann/frau zugänglich, sind adrett-zeitgenössisch zerklüftet, … pardon, gestylt, und sie ermöglichen Fahrleistungen, für die sich noch vor einem Jahrzehnt hochkarätige Supersportler mächtig ins Zeug hätten legen müssen. Die Yamaha MT-09 tritt als Platzhirsch in den Ring. Mit ihrem Reihendreizylinder belegte sie 2015 Platz 2 der Schweizer Verkaufshitparade hinter ihrer zweizylindrigen Schwester MT-07, 2016 reichte es immer noch für Platz 4. Für 2017 gab es ein kräftiges Update: Neu sind insbesondere das martialische MT-10-Frontstyling, die Euro 4-Anpassung inklusive überarbeitetem Mapping, die Auspuffanlage und die Anti-Hopping-Kupplung. Eine zweistufige Traktionskontrolle und drei Fahrmodi (A, Standard und B) sind bereits seit 2016 mit an Bord.

 

Ähnliches Konzept, aber andere Optik

 

Der Herausforderer kommt – erneut –von Kawasaki. Genau wie die neue Z 650 Yamahas Superseller MT-07 vom Thron kippen soll, stellt die Z 900 eine Frontalattacke gegen die kaum weniger erfolgreiche MT-09 dar. Mit identischem Konzept, fast gleichem Preis und einem legendären Namen sollen die kostenbewussten Fans zu den «Grünen» gelockt werden. Wobei der Name Z 900 – die 900 Z1 Super Four machte 1972 Furore – mächtig täuscht: Ausser der Anzahl Zylinder (vier in Reihe) sowie denselben Lettern und Ziffern in der Typenbezeichnung hat die neue Z 900 nicht das Geringste mit ihrer Urahnin gemeinsam. Denn die als «Frankensteins Tochter» in die Geschichte eingegangene Z 1 war zwar ein wunderschön designtes Bike, aber dennoch ein nur von Könnern und nach diversen Verbesserungen sportlich zu bewegendes Biest mit Spaghetti-Rahmen, hochfrequent vibrierendem Vierzylinder-Motor und gefährlich schnell ermüdenden Bremsen, während die neue Z 900 ein zwar böse aussehendes, aber trotzdem für Hinz und Kunz kuschelweiches Schätzchen für alle Tage und jeden Zweck sein will. Das Einzige, was die Z 900 Baujahr 2017 vielleicht ein bisschen zickig macht, ist die angesichts von strammen 125 PS fehlende Trak­tionskontrolle. Auch Fahrmodi glänzen im Unterschied zur MT-09 durch Abwesenheit.

 

Motoren: Anderes Konzept, Ähnliche Darbietungen

 

Bei den Motoren herrscht Gleichstand. Was der 847-cm3-Dreizylinder der MT-09 mit heiserem Röhren, sattem Druck von ganz unten bis in den fünfstelligen Bereich, einer süchtig machenden Drehfreude und einer vorbildlichen Laufkultur zum Besten gibt, macht der 948-cm3-Vierzylinder der Z 900 mit einem noch feineren Ansprechen und einer ungemein bulligen Leistungsentfaltung in der Drehzahlmitte wieder wett. Die 101 Kubik mehr der Kawasaki sind spürbar, man fährt mit der Z 900 schaltfauler als mit der MT-09. Die absoluten Fahrleistungen und die Beschleunigung sind hingegen praktisch identisch; die paar Mehr-PS der Kawasaki (125 gegen 115 PS) macht die Yamaha mit weniger ­Gewicht (fahrfertig 193 gegen 210 kg) locker wieder wett.

 

Fahrwerk: Gelobt sei, was hart macht?

 

Das Fahrwerk der MT-09 ist deutlich weicher abgestimmt als dasjenige der Z 900, die vor allem hinten sehr straff daherkommt und auf Unebenheiten nicht sehr feinfühlig reagiert. Handkehrum sind Stabilität und Lenkpräzision der Z 900 allererste Sahne, da können wesentlich teurere Bikes nicht mithalten. Das Fahrverhalten ist absolut neutral, die Balance hervorragend gelungen und selbst beim Bremsen in Schräglage gibt es kein Aufstellmoment zu bemängeln. Die Yamaha ist vorne mit ihrer voll einstellbaren Gabel genauso stabil, das sehr soft abgestimmte Zentralfederbein kommt bei sportlicher Gangart aber rasch an seine Grenzen. Das etwas schwammige Heck bringt dann Unruhe ins Gebälk und verwässert die angepeilte Linie. Vorwiegend sport­liche Leute werden sich hinten ein hochwertigeres Federbein einbauen lassen. Was die Yamaha gegenüber der Kawasaki bei der Stabilität und der Lenkpräzision verliert, macht sie aber mit deutlich höherem Komfort auf schlechten Strassen wieder wett. Wo es auf flickenübersäten Strässchen dem Kawa-Reiter fast den Lenker aus den Fingern schlägt und er deftige Schläge in den Allerwertesten verdauen muss, fühlt sich der Yamaha-­Dompteur noch pudelwohl.

 

Schnippo in Topqualität

 

Doch wie fast immer heutzutage findet diese Kritik oberhalb eines sehr, sehr hohen Niveaus statt. Und sie kann nicht einmal ansatzweise darüber hinwegtäuschen, dass sowohl die Kawasaki Z 900 als auch die Yamaha MT-09 unverschämt viel für wenig Geld bieten. Anders gesagt: Schnippo ja, aber in Gourmet-Topqualität.

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