Test und Technik

Geheimtipp

Aprilia Shiver 900

05.09.2017 17:13 (ml/ps)

Da baut jemand ein wirklich gutes, modernes, adrettes und preiswertes Motorrad, und (fast) niemand will es. So war es jedenfalls bei der Aprilia Shiver 750. Ob sich das bei der neuen Shiver 900 ändert? Das Zeug dazu hätte sie auf jeden Fall.

Wertig, sehr wertig. Das sind die ersten Gedanken bei der Sitzprobe auf der neuen Aprilia Shiver 900. Im Blickfeld prangt das neue, auch bei starkem Sonnenschein perfekt ablesbare und reich ausgestattete 4,3-­Zoll-TFT-Display. Links und rechts können die spielfreien Handhebel indivi­duell eingestellt werden. Die Oberschenkel schmiegen sich natürlich an die Tankflanken. Die Spiegel bieten gute Rücksicht. Die Armaturen sind locker bedienbar. Der rot abgesteppte Sattel bietet satten Halt ohne übertriebene Härte, und der relativ schmale Lenker liegt entspannt in der Hand. Auch bei der Technik wurde nicht gespart: Vorne sind zwei 320-mm-Bremsscheiben und radiale Vierkolben- Zangen montiert, der von 750 auf 900 cm3 Hubraum mit strammen 95 PS ver­grösserte 90 °-V2 besitzt ­einen aufwändigen Zahnrad-Ketten-Mix für den Antrieb der total vier Nockenwellen, die USD-Telegabel und das Zentralfederbein sind einstellbar, und den Rahmen bildet ein komplexer Verbund aus Stahlgitterrohren und Alumiumplatten. Und das alles für eher bescheidene CHF 10 290.–

 

Alltag und Sport

 

Der Fahrbetrieb hält, was die Technik verspricht. Der auf Drehmoment und Durchzug getrimmte V2 glänzt mit sattem Poltersound (aber geringen mechanischen Geräuschen), drückt ab 2000/min kräftig ab, die 90 Nm Drehmoment ziehen die Shiver locker aus jeder Ecke und jede Steigung hoch. Die kurze Übersetzung der Getriebestufen verstärkt die Sprinterqualitäten zusätzlich. Die Top­bremsen, die feinfühlige Traktionskontrolle (drei Stufen, abschaltbar) und das aus dem Rennsport abgeleitete Chassis vermitteln Reserven und Sicherheit. Wer ein bisschen an den ­Federelementen schraubt, findet in dem braven, komfortablen Stadt- und Alltagsflitzer sogar echte Sport­gene – kein Wunder, denn Aprilia blickt in seiner kurzen, 30-jährigen Geschichte bereits auf 54 Weltmeistertitel (Fahrer- und Konstrukteurswertung) zurück. Die Aprilia Shiver 750 war übrigens bei ihrem Erscheinen 2006 das erste Serienmotorrad mit Ride-­by-Wire-Gassteuerung. Wirklich neu an der 2017er-­Shiver sind – neben der Hub­raumerhöhung um 150 cm3 und der Euro-4-­ Anpassung – die USD-­Tele-gabel mit von 43 auf 41 mm Durchmesser reduzierten Standrohren, das Zentralfederbein, die pro Stück 2 kg leichteren Felgen, die Bremsen, die Auspuffanlage, das TFT-Display und natürlich diverse Design- und Sty­lingelemente. Bleibt im Prinzip nur noch die eine Frage: Warum wollen nur so wenige Kunden dieses preislich, technisch und im Fahrbetrieb überzeugende Motorrad kaufen?

 

«Aprilia hat noch keinen Namen»

 

«Aprilia hat leider noch ­keinen Namen, und es gab Zeiten, als Service und ­Ersatzteilversorgung nicht optimal waren», erklärt ­Moreno Stiz, Verkaufs­direktor beim Schweizer Aprilia-­Importeur Ofrag. «Heute kann das unser auf 25 Händler gestrafftes Netz garantierten. Aber es braucht Zeit, bis bekannt wird, wie gut unsere Motorräder wirklich sind. Deshalb hoffen wir auch ­inbrünstig, dass Aprilia möglichst bald neue Einsteiger-, Naked-Bike- und Touring-Modelle mit 400 bis 600 cm3 bringt.»

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