Test und Technik

Test von Triumphs Fun-Fighter

Fahrbericht Triumph Street Triple R

16.10.2008 00:00

In der verschärften R-Version der beliebten Street Triple ist der Streetfighter vollends erwacht. Sie begeistert beim verspielten Raufen und schlägt im Ernstfall gnadenlos zu. Text: Tobias Kloetzli Bilder: Jason Critchell, Paul Bryant


Die neue Triumph Street Triple R ist ab Januar 2009 auch in diesem Mattorange erhältlich.

Triumph hat auf die Erfolgsstrasse der guten alten 60er-Jahre zurückgefunden: Die Bestmarke von 47'000 verkauften Bikes (1967) dürfte noch in diesem Jahr überboten werden. 2007 konnten die Verkaufszahlen in der Schweiz um 75% gesteigert werden. Triumph steht nicht mehr – wie teils in den Hinterköpfen noch verwurzelt – für öltriefende Briten-Bikes, sondern trumpft mit frechen, faszinierenden Dreizylindern auf.

Die Schwestern

Die Triumph Daytona 675 mit verblüffend drehmomentstarkem, kompaktem Reihendreizylinder hatte sich auf Anhieb gegen ihre Supersport-Konkurrenz durchgesetzt (Vgl. in MSS 11/2006). Sie war Basis der 2007 vorgestellten nackten Street Triple (Fahrbericht hier lesen)der kleinen Schwester der bösen Speed Triple. Die Street überbot sämtliche Erwartungen, mauserte sich bei Triumph zum Bestseller und sprengte die Kapazitäten der Produktionsstätte in Hinckley (GB).

Die Unterschiede zur Speed Triple

Mit der Streetfighter-Ikone Speed Triple hat die neue Street den klassischen Look gemein. Sie wiegt aber 19 kg weniger, bietet einen Preisvorteil von Fr. 5000.– und steht trotz 20% weniger Leistung immer noch sehr gut im Saft. Mit diesen Voraussetzungen stösst sie in der Schweiz seit einem Jahr als erschwingliches Einsteigermotorrad und flinkes Naked Bike auf so grosses Interesse, dass die eingegangenen Bestellungen erst jetzt allmählich abgearbeitet werden können.

R wie FeinschmeckeR

Speziell für die sportliche Fangemeinde schiebt Triumph nun die hochwertigere Street Triple R nach. Sie greift im Gegensatz zur Standard-Street auf die voll einstellbaren Fahrwerkskomponenten der Daytona zurück. Die KYB-Dämpferelemente besitzen eine weichere Grundabstimmung, decken mit breitem Einstellbereich aber die gesamte Spanne zwischen der Daytona und der Street Triple ab. Auch bei den Bremsen vertraut die R auf die radial verschraubten Nissin-Vierkolbenzangen und den radialen Geberzylinder der voll verkleideten Racing-Schwester. Ein robuster konischer Margura-Lenker sorgt für zusätzliche Stabilität und hochwertigere Anmutung. 

Vorstellung auf der Isle of Man

Auf der Isle of Man (GB) stellte Triumph ihre neue Street Triple R der Presse vor. Ein geradezu idealer Ort für den Zögling der Mutter aller Streetfighter, denn hier darf man sich auf den Strassen noch legal raufen, es existieren ausserorts keine Speedlimits – entsprechend gross war die Vorfreude! Das britische Wetter drohte den Spass aber zu verderben: Für den Fahrtag wurden Unwetterwarnungen ausgesprochen!

In einer Blitzaktion versuchen wir am Abend des Ankunftstages, bei noch trockenen Bedingungen wenigsten die Bilder in den Kasten zu kriegen. Ein Taxi fährt uns zur Kurve beim legendä­ren «Creg-ny-Baa»-Pub, wo Motorräder und Fotografen bereits warten. Ich packe mir schnell eine «R», um mich ablichten zu lassen, bevor die Dämmerung weiter fortschreitet.

Faszinierender Sound

Der faszinierend heisere Dreizylinder-Sound ist so unglaublich sexy, das mir die R trotz aller Hektik ein Strahlen ins Gesicht zaubert. Nach 200m «Warmfahren» ziehe ich durch die 2.-Gang-Fotokurve, stelle die Street auf und ziehe ordentlich am Kabel: Der Dreizylinder reisst mich mit steigendem Vorderrad auf die Gerade hinaus!

Begeisternder Motor

Den 675er-Motor hatte ich zwar als begeisternd in Erinnerung, vergewissere mich sicherheitshalber aber doch nochmals, dass ich in der Hitze des Gefechts nicht etwa eine Speed Triple 1050 gepackt habe!
Das Fahrwerk liefert ein glasklares Feedback, hält das Naked Bike trotz leichter Unebenheiten in der Fotokurve sauber auf Kurs und sorgt für viel Vertrauen. Schon bei der dritten Kurvendurchfahrt nehme ich überrascht das Geräusch des über den Asphalt schrappenden Knieschleifers zur Kenntnis. Alles geht einfach und fühlt sich vertraut an.

Voll einstellbare USD-Gabel:

Wie gemaht für Funpiloten 

Die Bremsen verzögern brachial, sind aber problemlos und präzis dosierbar. Wendemanöver gelingen mit dem Leichtgewicht dank gut dosierbarer Kupplung ausgezeichnet. Wheelie, Fotokurve, Wheelie, Stoppie, Wenden, Wheelie, Fotokurve – Stoppie …  Die Bilder sind im Kasten, die Fotografen haben längst zusammengepackt, aber ich kann einfach nicht aufhören – die R hat Suchtpotenzial, und meine Augen glänzen noch den ganzen Abend!

Unproblematisch und präzis

Am nächsten Tag dann der versprochene Regen: Vom «Grandstand», der Boxengasse bei Start und Ziel der TT Isle of Man, gehts los auf den rund 60km langen Circuit. Bereits beim ersten Beschleunigen drehen die Dunlop Qualifier auf der nassen Strasse wild durch. Dank fahraktiver Position mit leicht zum breiten Lenker gebeugten Oberkörper ist die Street aber einfach auf Kurs zu halten. Im sechsten Gang folge ich dem Rücklicht meines Vordermannes auf die Bergetappe. Der 50m weiter vorne fahrenden Guide verschwindet bereits im Nebel. Sechster Gang? Ja, obwohl wir selten schneller als 50 km/h fahren, denn der 12-Ventiler nimmt aus den Drehzahlkeller derart anstandslos Gas an und liefert ab 2000/min unter diesen Bedingungen längstens ausreichend Dampf.

Potenter Dreizylindermotor:

Kaum Lastwechsel

Gleichzeitig entfallen so Ruckbelwegungen bei Lastwechseln fast gänzlich. Versehentlich fahre ich sogar einmal im vierten Gang an und merke es erst, als ich mit 40 km/h verwirrt auf die Ganganzeige im Cockpit blicke – verblüffend, wie viel Spass Motorrad fahren auch unter grenzwertigen Bedingungen machen kann.

Satte Strassenlage, problemlose Korrekturen

Das Unwetter zieht vorbei, und am Nachmittag können wir auf trockenen Strassen die Vorzüge der Insel voll auskosten. Dabei bestätigen sich die positiven Eindrücke vom Vorabend. Durch das längere Federbein ist die Geometrie der R etwas aggressiver. Trotz zusätzlicher Handlichkeit glänzt sie auch bei Highspeed mit gutem Geradeauslauf und satter Strassenlage. Korrekturen in Schräglage gehen unproblematisch von der Hand, und die Nissin-Stopper glänzen mit ausgezeichneter Dosierbarkeit. Die Begeisterung für das Motorrad und die Motorrad-Trauminsel summieren sich und verschmelzen zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Tolle Nissin-Stopper - leider nach wie vor ohne ABS-Option:

Die Street Triple R ist speziell auch für die Damen - tiefer Sitz, leicht, freches Design...:

Premium-Version

Die Street Triple R bietet für alle, die ihren Töff sportlich bewegen und Grenzen ausloten wollen, klare Verbesserungen gegenüber der Standard-Street. Die Fr. 1300.– Aufpreis sind für sie gut angelegt. Wer einfach mit einem unverkleideten, kultigen Streetfighter unbeschwerte Ausfahrten fern von Limits machen will, spart sich diese Investition aber lieber für nette Accessoires wie etwa den lackierten Bugspoiler (Fr.445.–) oder den Windabweiser (Fr.375.–) über den Scheinwerfern.

Farbwahl

Auch die erhältlichen Farben könnten für sie ein Kriterium sein, denn die R gibts nur in Mattgrau und Mattorange. Das schicke Weiss, das böse Schwarz oder das giftige Metallic-Grün gibts nur für die normale Street Triple.

Street Triple R in Mattorange:

Fazit

Die Street Triple R hat mein Herz erobert. Sie begeistert mich noch mehr als die Speed Triple. Fahrwerk und Bremsen sind hochwertig, der faszinierende, röhrende Motor hat ausreichend Dampf, und dank niedrigem Gewicht lässt sie sich spielerisch leicht beherrschen. Die Mischung stimmt und sorgt für hohe Effizienz. Die Street Triple R ist alles in einem: ein bequemer Alltagstöff, ein scharfes Showbike und ein böser Streetfighter.


Und noch ein paar Aufnahmen der Street Triple R und der Isle of Man:


Zubehör (Aufpreis) für die Street Triple R - direkt ab Triumphhändler:

Scheinwerfer-Maske wie bei der Speed Triple (375.- Franken):

Spoilerchen (445.- Franken):

Arrow-Auspüffe - vermutlich auch in der Schweiz problemlos homologierbar (Händler fragen):



Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt4  Punkte
Auf grosser Tour2 Punkte
Sportlich fahren5  Punkte
Zu zweit unterwegs2 Punkte
Emotionen4  Punkte



Technische Daten Triumph Street Triple R

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Reihen-Dreizylinder. Zylinderbank quer,   eine Ausgleichswelle
VentilsteuerungDOHC, vier Ventile pro Zylinder, Ventilwinkel total 23°
Bohrung x Hub74×52,3 mm
Hubraum675 ccm
Verdichtung12,7:1
GemischaufbereitungSaugrohr-Benzineinspritzung
Drosselklappen-Durchmesser44 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass-
SchmierungNasssumpfschmierung
Auspuffanlage3-1-2-Auspuffanlage mit geregeltem Kat und Sekundärluftsystem
StarterE-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 106 PS bei 11'700 /min
Max. Drehmoment6,9 mkg bei 9100 /min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb, Mehrscheiben-Nasskupplung
GängeSechsganggetriebe
EndantriebEndantrieb über Dichtringkette

Fahrwerk

RahmenAlu-Brückenrahmen, Alu-Rahmenheck geschraubt
Federung vorneVoll einstellbare USD-Telegabel von KYB
Gabelinnenrohr-Durchmesser41 mm
Federung hintenAlu-Zweiarmschwinge. Über Umlenkhebel progressiv angelenktes voll einstellbares Zentralfederbein von KYB.
Federweg vorn/hinten120 mm / 130 mm

Räder

RädertypAlu-Gussräder, Radialreifen Dunlop Sportmax Qualifier.
Felgendimension vorn
Felgendimension hinten
Reifendimension vorn120/70 ZR17
Reifendimension hinten180/55 ZR 17

Bremsen

Bremse vornZweischeibenbremse (308 mm) mit radial montierten Vierkolbenzangen von Nissin
Bremse hintenfix montierte Stahlscheibe (220 mm) mit Einkolben-Schwimmsattel.
ABSNein, nicht erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1390 mm
Lenkkopfwinkel66,1°
Nachlauf92 mm
Trockengewicht167 kg
Sitzhöhe805 mm
Tankinhalt (davon Reserve)17,4 l

Farben

Mattgrau
Mattorange
x
x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 13'450.– inkl. MwSt. und NK.
Erstmöglicher LieferterminLieferbar in Mattgrau ab Oktober und in  Mattorange ab Januar 2009
Import überTriumph SAS, Rue des Bugnons 4, 1217 Meyrin
Tel. 0227827350 (oder siehe Link)

Sonstiges, Bemerkungen

BemerkungAuch mit 25 kW/34 PS erhältlich.

Konkurrenten

Aprilia Shiver

Benelli TNT 899

Buell CityX XB9SX
Ducati Monster 696
Honda Hornet 600
Kawasaki ER-6n
Kawasaki Z 750

KTM 690 Duke III

Suzuki GSR 600
Suzuki SFV 650 Gladius
Triumph Street Triple (Normalversion)

Yamaha FZ6

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