Test und Technik

Test der grossen Monster

Fahrbericht Ducati Monster 1100

10.11.2008 00:00

Die neue Ducati Monster hat wieder eine Familie, und die 1100 ist ihr Oberhaupt. Leicht und schön wie die kleine 696 gibt die 1100 mit kraftvollem Motor, satter Strassenlage und edlen Komponenten den Ton an. Text: Tobias Kloetzli Bilder: Thomas Maccabelli, Werk, Kloetzli


Geschwind gehts ums Eck: genussvolles Kurvenschwingen ist eine der leichtesten Aufgaben für die neue Ducati 1100 Monster.

Nur gerade vier Monate nach der Präsentation der Monster 696 (Fahrbericht hier klicken), also der Neuauflage von Ducatis Best­seller, erhielt die zierliche Nackte eine starke Schwester. Die rennt der «Kleinen» auf Anhieb den Rang ab. Zeigt sich die 696 als preiswerte und doch faszinierende Einstiegsdroge, fährt die 1100 nun mit edlem Stoff auf und berauscht wirkungsvoll auch Hartgesottene!

Dasselbe Kleid für 1100

Auf den ersten Blick macht der Laie, abgesehen vom Schriftzug «1100», zunächst kaum Unterschiede aus. Kein Wunder, denn die optischen Charaktermerkmale sind dieselben. Der dreiteilige Rundscheinwerfer,die digitale Infozentrale, die bombierte Tankabdeckung mit den seitlichen Lufteinlässen für die darunter liegende Airbox, das Geflecht des Gitterrohrrahmens aus dicken Rundrohren und das Aluguss-Rahmenheck, dessen Formensprache in den Fussrastenträgern aufgenommen wird, oder das kurze, hohe Heck mit den knapp darunter geführten konischen Endschalldämpfern – alles ist absolut identisch mit der Monster 696.

Der Kenner sieht die Unterschiede sofort

Am auffälligsten hebt sich die 1100 durch ihre leichte Aluguss-Einarmschwinge (nur 5 kg!), welche den Blick auf das hübsche Fünfspeichen-Leichtmetallrad freigibt, von der Schwester ab. Der Kenner wird neben dem hochwertigen, voll einstellbaren Fahrwerk, den Radialpumpen für Vorderbremse und Kupplung aber auch den grösseren Motor erkennen. Denn der hochgelobte luftgekühlte 1100er-Zweiventiler, den wir bereits aus Multistrada und Hypermotard kennen, bringt nun auch die neue Monster in Fahrt.

Vermutlich am häufigsten anzutreffen: Grosse Monster in Rot:

Motor abgespeckt

In der neusten Version bringt der «11er-Desmo» 3 kg weniger auf die Waage, denn das Gehäuse konnte dank Vakuum-Druckgussverfahren bei gleicher Stabilität dünnwandiger gefertigt werden. Die Monster 1100 kommt im neuen Outfit mit abgespecktem Motor auf ein sensationelles Trockengewicht von nur gerade 169 kg! Das sind nochmals 8 kg weniger als ihre bereits leichte Vorgängerin, die Monster S2R 1000.

Sanfte Gasannahme

Der luftgekühlte 1100er mit zwei Zündkerzen pro Zylinder leistet 95PS und schiebt mit 105 Nm mächtig voran. Der V2 spricht aber sanfter an als bisher, denn die optimierte Motorelektronik greift nun auf Informationen von zusätzlichen Drucksensoren zurück, errechnet damit die optimale Gemischaufbereitung genauer und stimmt so die Benzineinspritzung präziser ab. Dank einer Auslassklappe im Auspuffsystem wurden die für die Homologation vorgegebenen Geräuschlimits auch mit den Schalldämpfern der 696 eingehalten.

Höher gelegt

Auf der Monster 1100 sitzt man 40 mm weiter oben als auf der 696. Einerseits wurde die Sitzbank im vorderen Bereich um 10 mm erhöht, die Sitzfläche ist also weniger nach vorne geneigt, wodurch der Fahrer nicht mehr zur schmalen Taille an den Tank rutscht und dort auf schlechten Strassen Schläge unter der Gürtellinie abbekommt. Daneben wurde mit einer längeren Telegabel und neuer Hinterradführung das gesamte Motorrad angehoben und fühlt sich entsprechend grösser an.

Cockpit nicht das Sahnestück

Störte auf der kleinen Monster noch der billige Stahllenker, legt man bei der Monster 1100 an einem edlen, konifizierten Alulenker Hand an. Kupplung und Vorderradbremse werden über – in der Spreizung einstellbare – Brembo-Handhebel mit radialen Geberzylindern betätigt. Das aus der 696 bekannte digitale Cockpit mit Drehzahlmesser als Balkendiagramm ist informativ, aber noch immer kein Schmuckstück.

Orchestra Ducati

Dank Kaltstartautomatik springt der luftgekühlte V2 problemlos an, zeigt sich kultiviert und fasziniert von der ersten Umdrehung an mit dem typischen, satten Ducati-Bollern. Die Kupplung ist leichtgängig, ihre Betätigung verlangt aber mehr Handkraft als die Einfingerkupplung der 696. Im Gegensatz zu jener ist sie dafür ausgezeichnet dosierbar.
Ab gut 2000/min nimmt der drehmomentstarke Desmo-Motor in den unteren Gängen sauber Gas an, im Fünften und Sechsten hackt er unterhalb von 3000/min allerdings, die Kette peitscht.

Understatement: Monster in Schwarz:

Ab 4500 /min geht die Post ab

Darüber gehts bereits kraftvoll vorwärts. Linear legt der Kurzhuber Leistung zu und reisst die Monster ab 4500/min vehement nach vorn. Die Kraftentfaltung bleibt dabei aber stets gut kalkulier- und dosierbar. Der Drehzahlbegrenzer bricht bei 9000/min allerdings recht überraschend den Vortrieb ab. Der grosse V2 hat jedoch derart viel Drehmoment und ein breites Leistungsplateau, dass der oberste Drehzahlbereich zum rasanten Vorwärtskommen gar nicht beansprucht werden muss.

Der L-Motor von links und rechts:

 

Auch das Fahrwerk ist klasse

Die Ducati liefert nicht nur Leistung satt, sondern bietet auch von ihrer Fahrwerksseite her grosse Reserven. Die voll einstellbare Showa-Gabel ist sportlich straff abgestimmt, liefert zusammen mit den Bridgestone BT16R ein klares Feedback und hilft so beim Ausloten des Grenzbereichs. Auch das Heck bleibt mit dem Sachs-Federbein und fettem 180er-Schlappen stets auf Kurs. Selbst Unebenheiten bringen die Italienerin kaum aus der Ruhe.

Doppelte Funktion: das ist nicht nur der Einlass in die Airbox - durch die Ausbuchtung lässt sich der Lenker auch viel stärker einschlagen als bei den bisherigen Monster-Versionen:

Viel Schräglagenfreiheit

Mussten auf der 696 beim Kurvenräubern noch die Füsse eingezogen werden, damit sie nicht über den Asphalt schrabben, verfügt die höhere 1100 über schier endlose Schräglagenfreiheit. Sie ist zwar deutlich handlicher als die Vorgängerin S2R, kommt mit ihrer  zusätzlichen oszillierenden Masse in Wechselkurven aber nicht an die 8 kg leichtere und niedrigere 696 heran.

 

Brembo-Bremsen

Die Brembo-Stopper vorne sind gut dosierbar und nicht zu aggressiv, was allerdings bedeutet, dass bei Vollbremsungen für einen sportlichen Töff recht stark zugepackt werden muss.

Edelversion 1100 S zuerst

An der Präsentation bei Nizza konnten wir die Monster 1100 leider nur in der ab März 2009 erhältlichen Standardversion fahren. Bereits ab Dezember ist aber für jene, die es besonders edel mögen, die nochmals 1kg leichtere Monster 1100 S mit Öhlins-Fahrwerk, diversen Karbonteilen und in Gold lackierten Rädern lieferbar. Für sie muss man allerdings nochmals zusätzliche Fr. 3000.– hinblättern.

Sehr edel: die S-Version der neuen Monster gibt es in Rot oder Perlmuttweiss:

  

Nur die S-Version hat eine Öhlinsgabel:

Und schöne Marchesini-Speichenräder:

Vollkost-Monster

Ducatis neue Monster 1100 ist ausgesprochen kompakt, der 1100er-Desmo-Motor glänzt mit sattem Drehmoment, guter Dosierbarkeit und ansehnlicher Spitzenleistung. Dank ihrem hervorragenden Fahrwerk macht die grosse Monster auf der Kurvenhatz unglaublich Spass, sie glänzt mit viel Schräg­lagenfreiheit und satter Kurvenlage. Ganz so flink wie die 696 mit gleicher Optik ist die 1100 allerdings nicht. Gegenüber der kleinen Monster bekommt der Käufer für rund Fr. 4000.– Aufpreis jedoch eine edle Einarmschwinge, leichte Marchesini-Räder, ein hochwertiges, voll einstellbares Fahrwerk, erstklassige Komponenten, 15 zusätzliche PS, vor allem aber 40Nm mehr, welche
bereits aus tiefsten Drehzahlen mächtig anschieben – ein begeisternder
Mix! 

Fazit

Die Monster 1100 ist ein hochwertiges Präzisionsinstrument mit bärigem, aber gutmütigem V2 und feinem Fahrwerk. Auf der sportlichen Ausfahrt macht sie riesig Spass und sorgt für grosses Vertrauen. Sie ist handlich, aber nicht nervös und reisst dem Fahrer kraftvoll die Arme lang. Zusätzlich fasziniert sie natürlich als Lifestyle-Ikone und wird dabei ihrem Ruf voll und ganz gerecht.

Hohe Qualität bis ins Detail: Die Tankausbuchtung und der schön geformte Tank.


Monster - noch besser machen (Aufpreis):



Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt5 Punkte
Auf grosser Tour2 Punkte
Sportlich fahren5 Punkte
Zu zweit unterwegs2 Punkte
Emotionen4 Punkte


 

Technische Daten Ducati 1100 Monster

Motor

BauartLuftgekühlter V2-Viertakter, Zylinderwinkel 90°.
VentilsteuerungJe eine oben liegende, über Zahnriemen gesteuerte Nockenwelle und zwei desmodromisch zwangsgesteuerte Ventile pro Zylinder.
Bohrung x Hub98×71,5 mm
Hubraum1078 ccm
Verdichtung10,7 : 1
GemischaufbereitungElektronisches Motormanagement
und Benzineinspritzung von Siemens.
Drosselklappen-Durchmesser45 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass
SchmierungNasssumpfschmierung mit Ölkühler
Auspuffanlage2-1-2-Auspuffanlage, geregelter 3-Wege-Katalysator und elektronische CDI-Zündung
Starter E-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 95 PS (70 kW) bei 7500/min
Max. Drehmoment10,5 mkg (103 Nm) bei 6000/min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärantrieb gerade verzahnt. Hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Trockenkupplung
GängeSechsganggetriebe
EndantriebEndantrieb über links liegende Dichtringkette

Fahrwerk

RahmenGitterrohrbrückenrahmen aus Stahlrohr mit angeschraubtem Heck aus Aluguss, Motor mittragend.
Federung vorneVorn voll einstellbare, ölgedämpfte Upside-down-Telegabel von Showa (S: Öhlins).
Gabelinnenrohr-Durchmesser43 mm
Federung hintenHinten Einarmschwinge aus Leichtmetallguss, direkt angelenktes, in Federbasis und Auswärtsdämpfung einstellbares Federbein von Sachs (S: Öhlins).
Federweg vorn/hinten130 mm / 158 mm

Räder

RädertypFünfspeichen-Gussräder aus Leichtmetall von Marchesini. Schlauchlose Radialreifen Bridgestone Battlax BT16R.
Felgendimension vorn3.50×17
Felgendimension hinten5.50×17
Reifendimension vorn120/70 ZR 17
Reifendimension hinten180/55 ZR 17

Bremsen

Bremse vornVorn zwei halb schwimmend gelagerte Stahlscheiben mit radial montierten Vierkolbenzangen. Bremsscheiben-ø vorn 320 mm
Bremse hintenHinten Einzelscheibe mit Zweikolbenzange.
Bremsscheiben-ø hinten 245 mm
ABSnein, nicht erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1450 mm
Lenkkopfwinkel66°
Nachlauf87 mm

Trockengewicht

Leergewicht voll getankt

169 kg (S: 168 kg)

191 kg (S: 190 kg)

Sitzhöhe810 mm
Tankinhalt (davon Reserve)15,0/3,5 l

Farben

Rot
Silber
Schwarz
S-Version: Rot
S-Version: Perlmuttweiss

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 15990.– (S: Fr. 18990.–), inkl. MwSt. und NK
Erstmöglicher LieferterminErhältlich ab März 2009
Import überMotorimport SA
Bernerstrasse 202 Nord, 8064 Zürich
Tel. 044 434 87 87

Sonstiges, Bemerkungen

BemerkungNicht erhältlich mit 25 kW/34 PS

Konkurrenten

Aprilia Tuono
BMW K 1300 R
Buell 1125 R, Benelli TNT 1130
Ducati Streetfighter
Honda CB 1000 R
Kawasaki Z 1000, KTM 990 Super Duke
KTM 990 Supermoto R
MV F4 Brutale
Suzuki B-King
Triumph Speed Triple
Triumph Speed Triple SE
Yamaha FZ1 ABS

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