Test und Technik

Test Honda CBR 600 RR ABS

Fahrbericht der ABS-CBR

25.02.2009 00:00

Sie macht alles einfach: Die kleine CBRRR ist überarbeitet, soll mehr Druck in der Mitte haben, glänzt aber vor allem mit dem neuen ABS. Text: Markus Schmid Bilder: Gori, Montero, Romero


Dieses Mal fällt es leicht, sich mit den Aufzählungen aus der Technikecke kurz zu halten: Honda hat neben dem ab Seite 4 in diesem Heft erklärten ABS an der CBR600RR nicht sooo viel geändert. Der flüssigkeitsgekühlte Reihenvierzylinder soll, wie sich Honda mit Seitenblick auf den Rennstreckeneinsatz ausdrückt ,«im mittleren Drehzahlbereich zwischen 8000 und 12'000 /min» besser gehen.

Dies nicht, weil ein wesentlich höheres Drehmoment anliegen würde, der Gewinn liegt lediglich «bei 3 Prozent»,wie Projektleiter Tetsuya Kudoh verrät, sondern weil die Dellen im Dehmomentverlauf wesentlich eingeebnet werden konnten.

Der Motor:

Änderungen im Motor

Das erreicht man ausser mit modifizierten Kolben und Brennräumen vor allem mit einer neuen Auspuffanlage, die jetzt Interferenzrohre zwischen den Krümmern von Zylinder 1 und 2 sowie 3 und 4 aufweist und zusätzlich zur Steuerklappe eine federbelastete Klappe im Endschalldämpfer, die sich bei steigendem Abgasdruck öffnet wie bei der Fireblade. Beim Fahren merkt man zwar, dass der Motor ab 8000/min sauber und lochfrei durchzieht, aber 3% Drehmomentzuwachs – das wäre etwa 0,5 Nm – vermag der MSS-Testfritze nicht herauszuspüren.

ABS: leider auch Mehrgewicht


Dafür sei die gesamte Auspuffanlage leichter geworden. Schliesslich musste man überall versuchen, die 9 Kilogramm, die das ABS wiegt, zu kompensieren. Und wieso hat man dann nicht gleich den Auspufftopf wie bei der aktuellen Fireblade vom jetzigen Ort oben unter der Sitzbank, wo er zwar vor zwei Jahren noch modisch war, aber das Heck beim Anbremsen nach oben drückt, unter den Motor verlegt?

Damit hätte man dank kurzer Rohre gleich gut 2 kg eingespart. Kudoh-San grinst: «Dann hätten wir im Schwingenlagerbereich auf der rechten Seite den Rahmen ändern müssen. Das heisst, wir hätten gleich einen komplett neuen Rahmen bauen müssen.» Dann ist das die nächste Stufe für 2010? Kudoh-San lächelt weiter...

Getriebe

Sonst ist beim Antrieb alles identisch geblieben ausser, dass die Schaltklauen neu hinterschliffen sind, was bewirkt, dass die Gänge jetzt auch bei hastigem Schalten und verschlissenen Klauen nicht mehr rausspringen, sondern bombensicher sitzen. Es bedeutet aber auch, dass beim Hochschalten ohne Kupplung das Gas deutlicher entlastet werden muss, sonst bleibt der ausgedrehte Gang drin und man rauscht bei 15'500/min in den Drehzahlbegrenzer.

Auf der Strecke

Draussen auf der Strecke das von Honda gewohnte Feeling: Alles was du siehst ist wertig, alle Bedienelemente passen ebenso wie die Sitzposition wie angegossen, das Cockpit ist perfekt ablesbar. Ein Kollege drückt es so aus: Du fühlst dich sofort wie zu Hause auf dem Töff, nichts kostet dich Angewöhnungszeit.

Gutmütige Sechhunderter

Gutmütig, das ist der Schlüsselbegriff, gutmütig ist diese Sechshunderter, obwohl sie wie die Konkurrenz irgend etwas um 120 PS abdrückt, was kein Pappenstiel ist. Du kannst praktisch immer und überall voll ans Gas, auch über Wellen, denn das eine geniale Teil mit Elektronikunterstützung, der Lenkungsdämpfer, eliminiert absolut zuverlässig jedes Lenkerschlagen, reduziert den berüchtigten Tankslapper zu einem müden Wackler.Das zweite Elektronik-Gadget haben wir vorne schon beschrieben: Das elektronische Supersport-ABS.

Bremspunkt rausschieben

Es macht jeden Bedenkenträger der Bremszone zum Helden: Genau wie auf der Fireblade ertappst du dich dabei, wie du den Bremspunkt rausschiebst, immer noch ein Stück, mit dem einzigen Unterschied, dass hier nicht einmal das Heck leicht wird. Bombenstabil rauscht die Sechshunderter unter dir auf der Linie weiter.

Kommt auch auf Sand gut: Bremsung mit der neuen CBR. Dank ABS lässt sich auch auf Sand, Wasser etc sicher bremsen:

Video zur ABS-Bremsung auf Sand:


Und weil das so ist, vergisst man auf der Sechshunderter auch, dass sie immer noch keine Slipper-Clutch hat. Du brauchst sie ganz einfach nicht, weil das Kombibremssystem auch voll auf der Bremse am Hinterrad so viel Grip generiert, dass das Heck selbst dann nicht ausschert, wenn du bereits in Schräglage noch eine «Wähe» runterschaltest.

Schnellere Rundenzeiten

De Fakto ists aber auch mit der Sechshunderter von Honda so, dass der, welcher ganz konventionell spät bremst, nicht im Regelbereich des ABS landet. Ebenso sicher ist es, dass er so bestimmt die schnelleren Rundenzeiten fährt als der Brachial-ABS-Experimentierer. Nur: Letzerer würde ohne ABS garantiert in Kürze den Töff übers Vorderrad wegwerfen, wenn er permanent mit derselben Vehemenz in die Bremse griffe, während er mit ABS einfach in einem grösseren Bogen und später in die Kurven einbiegt.

Ein Wort zum Strassenbetrieb

Wir haben die CBR600RR zwar vor allem auf der Rennstrecke gefahren, aber man muss kein Prophet sein, um sich zur Behauptung hinreissen zu lassen, dass die Honda gerade auf unseren Alpenstrassen und im Schweizer Klima mit ständig wechselnden Wetterverhältnissen mit diesem perfekt funktionierenden ABS ein wesentliches Plus an aktiver Sicherheit gegenüber allen anderen aktuellen Supersport-Modellen bietet.

Bekenntnis zum Strassenfahrer

Lobenswert auch, dass Honda im Kampf um das geringste Leergewicht in fahrbereitem Zustand, dem besonders im Extremsportler-Segment ein wichtiges Plus auf dem Datenblatt darstellt, und das alle japanischen Hersteller in einem Gentle­mans Agreement ab 2009 mit vollem Tank deklarieren, nicht zum Trick greift, einfach das Tankvolumen und damit die Reichweite herunterzuschrauben: Die CBR verfügt mit 18 Litern über das grösste Spritfass! Ein weiteres Bekenntnis zu den Bedürfnissen des Strassenfahrers.

Fazit

Die renovierte Honda CBR600RR war zwar 2008 in ihrer Klasse nicht mehr der absolute Überflieger, aber mit dem genialen ABS wird sie in der kommenden Saison vor allem im Betrieb auf der Strasse die Konkurrenz enorm unter Druck setzen. Und da die Ergonomie exakt dieselbe geblieben ist, wird sich auch jeder Supersport-Fan auf Anhieb auf ihr wohl fühlen, denn das war schon bisher eine ihrer Stärken.

Was will uns Honda wohl mit diesem Foto sagen? Die ABS-CBR mit weitem Vorsprung auf die Nicht-ABS-CBRs:

Werbevideo von Honda zur 2009er CBR:

Weitere Detailaufnahmen:

Die nackte CBR:

Soziusfussraten, dahinter sieht man einen Teil des Federbeins:

Zeigt klar an, dass hier ein ABS an Bord ist: Impulsgeberrad am Vorderrad. Vereinfachend gesagt, zählt das ABS-System die Zacken im Impulsgeberrad und stimmt dann die ABS-Bremsung ab:

Das Cockpit. Man beachte neu die ABS-Warnleuchte (gelb) unten rechts:

Auch von hinten attraktiv:

Foto-Vergleich:

Honda CBR 600 RR ABS 2009Honda CBR 1000 RR Fireblade ABS 2009


Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt2 Punkte
Auf grosser Tour2 Punkte
Sportlich fahren5 Punkte
Zu zweit unterwegs1 Punkte
Emotionen4 Punkte



Technische Daten Honda CBR600RR ABS

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder-Viertakter, Zylinderbank quer liegend.
VentilsteuerungZwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen (DOHC), vier Ventile pro Zylinder, Tassenstössel.
Bohrung x Hub67×42,5 mm
Hubraum599 ccm
Verdichtung12,2:1
GemischaufbereitungDigitales Motormanagement, Kennfeldzündung. Saugrohr-Benzineinspritzung von Keihin, 2 Düsen und 1 Drosselklappe pro Zylinder.
Drosselklappen-Durchmesser38 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass
SchmierungNasssumpfschmierung 3,5 l.
Auspuffanlage4-2-1-Auspuffanlage mit Katalysator und Klappen vor und im Endschalldämpfer.
StarterE-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 120 PS (88,1 kW) bei 13'500/min
Max. Drehmoment6,7 mkg (66 Nm)bei 11'250/min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb. Seilzugbetätigte Mehrscheiben-Nasskupplung.
GängeSechsganggetriebe.
EndantriebDichtringkette.

Fahrwerk

RahmenAlu-Diagonalbrückenrahmen. Angeschraubtes Alu-Rahmenheck.
Federung vorneUSD-Telegabel, in Vorspannung, Ein- und Auswärtsdämpfung einstellbar.
Gabelinnenrohr-Durchmesser41 mm
Federung hintenAlu-Zweiarmschwinge. Progressiv wirkende Hebelumlenkung mit Zentralfederbein, in Vorspannung, Einwärts- und Auswärtsdämpfung einstellbar.
Federweg vorn/hinten120 mm / 130 mm

Räder

RädertypAlugussräder. Schlauchlose Radialreifen BT003, Standard BT016.
Felgendimension vorn
Felgendimension hinten
Reifendimension vorn120/70 ZR 17
Reifendimension hinten180/55 ZR 17

Bremsen

Bremse vornNissin. Vorn zwei halb schwimmend gelagerte Stahlscheiben (310 mm)
mit Vierkolbenzangen.
Bremse hinten Hinten Einzelscheibe (220 mm) mit Einkolbenzange.
ABSJa, optional erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1400 mm
Lenkkopfwinkel66°05'
Nachlauf98 mm
Leergewicht fahrfertig vollgetankt 194 kg
Sitzhöhe820 mm
Tankinhalt (davon Reserve)18,0/3,5 l

Farben

Rot-Weiss-Blau
Schwarz-Rot

CBR ohne ABS:

Schwarz-Weiss-Blau

Grün-Schwarz

Schwarz-Weiss-Rot

x
x

Preis, Lieferung per, Import

Preis
  • Mit ABS ab Fr. 17870.– inkl. NK
  • ohne ABS ab Fr. 16490.– je nach Lackierung
Erstmöglicher Lieferterminab sofort
Import überHonda (Suisse) SA, 1214 Vernier-Genève
Tel. 022 939 09 09,

Sonstiges, Bemerkungen

BemerkungAlle auch erhältlich auch mit 25 kW / 34 PS, gegen Aufpreis von ca. Fr. 50.–

Konkurrenten

Ducati 848
Kawasaki ZX-6R
Suzuki GSX-R 600
Triumph 675 Daytona
Yamaha R6


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