Test und Technik

Test Husky TE 250

Fahrbericht Husqvarna TE 250

24.08.2009 00:00

Husqvarna will die Krise nutzen und die Vormachtstellung im Offroadbereich zurückerobern. Ihr neuer 250er-Viertakter dürfte sie dem Ziel näher bringen. Text: Tobias Kloetzli Bilder: Marco Campelli, Kloetzli


Für die einen ein Debakel, kann die Krise für andere auch durchaus eine Chance darstellen. Vor zwei Jahren hat BMW Husqvarna übernommen, nicht zuletzt um Widersacher KTM Paroli zu bieten. Seither investieren die Bayern monatlich zwei Millionen Euro in die Neulancierung der italienischen Marke. Die alte Garde wurde durch neue Ingenieure ersetzt, und die deutsche Gründlichkeit zog ins neue Werk in Varese (I) ein.

Marke neu auflegen

Man will das Vertrauen der Kundschaft gewinnen und gewährt auf sämtliche Modelle (sogar die Crosser!) zwei Jahre Garantie. Verkaufs- und Marketing-Direktor Maximiliano Mucchietto blick der Zukunft der 107-jährigen Motorradmarke zuversichtlich entgegen: «Die Krise ist der beste Moment, unsere Marke neu aufzulegen und zurück in eine Leaderposition zu bringen.»

Kompakterer 250er

Ende 2009 sorgte die Vorstellung des Husqvarna Crossers TC250 mit nur gerade 97 kg und ultrakompaktem Viertaktmotor für Aufsehen. In überarbeiteter Version sitzt der Vierventiler nun als Vergaserversion im Crosser und mit Benzineinspritzung in der kleinen Serien-Enduro. Sie wiegt mit fahrfertig 106 kg nochmals deutlich weniger als die bisherige TE250. Der noch kurzhubigere Motor ist in seinen Abmessungen um 13% geschrumpft. Der DOHC-Zylinderkopf fiel dank dem Nockenwellenantrieb über ein zentrales, kettengetriebenes Zahnrad deutlich kompakter aus.

Mehr Traktion

Der Stahlrahmen des Offroaders wurde redesignt und die Aluschwinge um 15 mm verkürzt. Dies soll entgegen den weitläufigen Annahmen für mehr Traktion sorgen. «Da spielen verschiedene Faktoren mit! Auch die Position von Schwingenachse und Antriebsritzel sowie die Distanz zwischen diesen Punkten sind entscheidend. Wir haben viel getestet und mit der kürzeren Schwinge bessere Resultate erzielt», liess Projektplaner Marco Romieri verlauten.

Endurieren leicht gemacht

Auf der 250er sitzt man zwar hoch, dank schmaler Sitzbank und geringem Gewicht überfordert der Balanceakt jedoch kaum. Mit variabler Lenkeraufnahme und justierbaren Handhebeln kann die Fahrerposition individuell angepasst werden. Alles entspricht hohem Enduro-Standard. Die neue KYB-Gabel spricht ausgesprochen fein an und hat kaum Losbrechmoment.

Sauber ans Gas

Der Motor nimmt bereits ab tiefen Drehzahlen sauber Gas an und hängt im mittleren Bereich direkt, aber nicht aggressiv am Gas. Mit zunehmender Drehzahl legt der Viertakter berechenbar Leistung zu und orgelt willig bis in höchste Lagen. Mit dem Vierventiler kann zwar schaltfaul gefahren werden, für zügiges Vorankommen sollte jedoch – wie bei kleinen Hubräumen üblich – der passende Gang eingelegt sein. In steilen Auffahrten muss der Motor dann schon mal mittels Kupplungsbetätigung auf Touren gehalten werden.

Fast vibrationsfrei

Der kleine Viertakter läuft schier vibrationsfrei, erinnert mit seiner Leistungsentfaltung fast an einen grossen Zweitakter, wartet mit zunehmender Drehzahl jedoch nicht mit brachialer Power auf, sondern legt gleichmässig und gut dosierbar Leistung zu. Im oberen Bereich drückt der 250er ähnlich wie ein 125er-Zweitakter ab, gibt sich aber fast noch drehfreudiger als dieser.

Beeindruckende Handlichkeit

Auch das Handling ist durchaus vergleichbar mit jenem der leichten Zweitakter: Spielerisch leicht lässt sich die TE250 über die für den Test ausgesteckte Sonderprüfung zirkeln. Richtungswechsel verlangen nur wenig Kraftaufwand. Trotz beeindruckender Handlichkeit glänzt sie auch auf Vollgasetappen mit sicherem Geradeauslauf. Das Handling der 250er ist um Welten müheloser als jenes einer nur gerade 7 kg schwereren TE 450.

Abstecher in den Wald

Von der vorgegebenen Feld-Wiesen-Sonderprüfung aus entdecke ich einen steilen Singletrail, wo sich die Unterschiede zwischen den beiden Viertaktern noch klarer herauskristallisieren: Die 450er ackert sich zunächst wie ein Traktor den Berg hoch, und auch die 250er gibt sich keine Blösse; zwei Finger habe ich hier jedoch stets in Kupplungsbereitschaft, um notfalls für zusätzliche Leistungsschübe zu sorgen.

Mühelos ums Eck

Nach einer Spitzkehre steigt der Pfad weiter an. Die 450er muss hier schon kraftvoll ums Eck gedrückt und dann, bis sie wieder richtig in Fahrt kommt, an die Kupplung genommen werden. Mit der 250er gehts zackiger und müheloser ums Eck. Dank ausgesprochen leichtgängiger und gut dosierbarer Seilzugkupplung lässt sie sich anschliessend mühelos wieder abfeuern. Auch hier hat die flinke Kleine ihre Vorzüge gegenüber ihrer grossen Schwester überzeugend ausgespielt!

Vom Anfänger bis zum Profi

Die TE250 ist nichts für Leistungsfanatiker, und sie rattert auch nicht unbeeindruckt wie ein Traktor jede Auffahrt hoch, doch sie ist auf andere Art unkompliziert: Sie glänzt mit Handlichkeit, Unbeschwertheit und ist kräfteschonend. Sie hat die Leichtigkeit einer 125er, kann aber alles noch eine Spur besser als diese. Mit der TE250 gelingt den Italienern klar eine Auffrischung der Husqvarna-Palette.

Projektplaner Marco Romieri:

«Schade, dass es die beliebte 310er nicht auch auf dieser Basis gibt», dürften nun einige denken. Auf diese Wünsche angesprochen, meinte Projektplaner Marco Romieri schmunzelnd: «Technisch wären 300 cm3 möglich. Wir werden natürlich entsprechende Abklärungen treffen und in Zukunft möglicherweise in diese Richtung arbeiten!»


Weitere Fotos:

Neues Heck mit LED-Schlusslicht. Schmale Sitzbank, hoher Lenker:

Bleibt man mal hängen, ist der Kühlerventilator nützlich:



Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt) 

Enduro-Wandern4 Punkte
Wettbewerbseinsatz4 Punkte
Kraftentfaltung3 Punkte
Wartungsfreundlichkeit4 Punkte
Emotionen2 Punkte



Technische Daten Husqvarna TE 250

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertakter,
Ventilsteuerungzwei oben liegende über eine Kette und drei Zahnräder getriebene Nockenwellen betätigen vier Titanventile.
Bohrung x Hub79×50,9 mm
Hubraum249,5 ccm
Verdichtung 12,5:1
GemischaufbereitungElektronische Zündung und Benzineinspritzung von Mikuni (ø 42 mm).
Drosselklappen-Durchmesser
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass
SchmierungNasssumpfschmierung
Auspuffanlage
StarterKick- und E-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung

Ungedrosselt: 36 PS bei 12500/min, 26 Nm
bei 8500/min
Max. Drehmomentgemäss EU-Homologation: 21 Nm bei 3500/min
V-max.

Kraftübertragung

Kupplung
Gänge6
Endantrieb

Fahrwerk

Rahmen

Stahl-Einschleifenrahmen mit vor dem Motor geteilten Rahmenunterzügen. Alu-Rahmenheck.
Federung vorneUSD-Telegabel von KYB, in Ein- und Auswärtsdämpfung einstellbar
Gabelinnenrohr-Durchmesser48 mm)
Federung hintenAluschwinge, über Umlenkhebel abgestütztes voll einstellbares Zentralfederbein von Sachs
Federweg vorn/hinten300/296 mm

Räder

Rädertyp

Excel-Speichenräder, Michelin Enduro Competition 3
Felgendimension vorn
Felgendimension hinten
Reifendimension vorn90/90-21
Reifendimension hinten120/90-18

Bremsen

Bremse vornDoppelkolbenzange mit fix montierter Wave-Bremsscheibe (260 mm) vorn
Bremse hintenEinzelscheibe (240 mm) und Brembo-Einkolbenzange hinten
ABSnein

Abmessungen und Gewichte

Radstand

1470 mm
Lenkkopfwinkel
Nachlauf106 mm
Leergewicht106
Sitzhöhe950 mm
Tankinhalt (davon Reserve)7 l

Farben

Weiss-Rot
x
x
x
x

Preis, Lieferung per, Import

Preis

12500.– inkl. NK
Erstmöglicher Lieferterminab sofort
Import überMohag AG
Bernerstr. Nord 202
8064 Zürich
Tel. 044 434 86 86

Sonstiges, Bemerkungen

Bemerkung

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