Test und Technik

Wunderschönes italienisches Bike

Fahrbericht Bimota DB6 Delirio

30.01.2007 00:00 (Constantinos Dallas)

Bimota rüstet seinen Edel-Roadster DB6 Delirio mit dem erstarkten Zweiventil-V2 von Ducati aus. Der Ritt auf dem Puristen-Bike erinnert uns daran, warum Motorrad fahren so genial ist. Eindrücke unseres Kollegen vom griechischen Magazin «0-300».


Bella Italia mit tollem Motor und edlen Komponenten: Bimota DB6 Delirio.

Zwei Räder, ein harter Sitz und ein breiter Lenker. Der leichtgängige Gasgriff spielt das Lied vom hungrigen Desmo-Twin, das hinter dir aus den Auspuffrohren und unter dir aus der Airbox dröhnt. Vielmehr ist nicht dran, an dieser Bimota DB6 Delirio. Sie verkörpert die Essenz des modernen Motorrades. Sie rettet deinen Verstand vor dem Durchdrehen in der übertechnisierten Welt von heute. Das wohl ist Sinn und Essenz des Namens – «delirio» bedeutet Wahnsinn.


Sie ist so schön...dass man sie Streicheln will

Ich brauche fast eine Stunde für das erste Beschnuppern der Bimota DB6. Ich streichle das Motorrad mit den Augen wie damals, mit 18, mein erstes richtiges Motorrad. Mein Begehren ist umso grösser, als dies die erste Delirio mit dem 1100-Ducati-Twin ist, die überhaupt als (Klein-)Serienmotorrad die Bimota-Werkstätten verlassen hat. Und ich darf sie die nächsten zehn Tage fahren?…

Grosses Foto: Bimota Delirio


Zuerst bleibt das Auge an der Gesamterscheinung hängen, an den rot lackierten Stahlrohren von Rahmen und Schwinge, die kunstvoll mit gefrästen Alu-Verbindungsstücken verschraubt sind. Dann, nach und nach, fallen dir die Details auf, die perfekte Verarbeitung jedes Bestandteils. Bisher hatte ich eher geglaubt, Perfektion im Motorradbau sei eine Sache robotisierter Fliessbänder. Angesichts dieser von Hand gebauten Delirio revidiere ich gerne meine Meinung.

Grosses Foto: Schwinge

Grosses Foto: Stahlflexleitung mit sorgfältiger Aufhängung


Man schaue sich nur den Tankdeckel, die Gabelbrücke, die Fussrasten, die minimale Instrumentenverkleidung, die Passgenauigkeit der unter dem Heck montierten Schalldämpfer oder die Kühlerhalterung an. Nichts wurde hier zufällig und in Eile angebracht. Die schönen Rückspiegel sind sogar zu gebrauchen, was allerdings nichts daran ändert, dass sie Designer Sergio Robbiano nicht mag und am liebsten weglässt?…

Toller Sound
Ich drehe den Zündschlüssel. Sobald sich der Zeiger des Drehzahlmessers und die Benzinpumpe beruhigt haben, springt der Motor an. Der Sound ist etwas würziger als bei der Multistrada 1100. Die Auspuffanlage ist anders, das Airbox-Schnorcheln ist lauter. Zudem setzt Bimota auf ein eigenes Mapping des Motormanagements.


Die ersten Meter auf dem exklusiven Stück sind noch von Kontrollangst bestimmt. Schnell weicht diese einem Gefühl der Verantwortlichkeit für die Delirio, doch schon bald übernimmt eine andere Emotion das Kommando: Begeisterung.

Grosses Foto: Front der Bimota

Superhandlich
Heiliger Bimbam, welch ein Velo! Die DB6 ist schmal wie ein Motocrosser, und so fühlt sie sich auch an. Welche Agilität: Selbst bei Autobahn-Speed wedelt sie so leicht wie andere Motorräder bei Innerortstempo. Als ob Bimota die stabilisierenden Kreiselkräfte abgeschafft hätte.

Grosses Foto: Wheelie mit der Bimota


Nach der ersten Fahrt versuche ich, dem Geheimnis der unglaublichen Leichtigkeit auf die Spur zu kommen. Mit geringem Erfolg. Das Geheimrezept muss sich wohl aus dem Zusammenspiel von Rahmen, Schwinge und den Federelementen ergeben.

Fahrwerk und Federung
Das Gefühl, ein Motorrad mit minimalen Massen zu bewegen, wird mich die folgenden Tage begleiten – auf der unbestechlichen Waage kommen immerhin 189,3 kg voll getankt zutage. Marzocchi-Gabel und Extreme-Tech-Federbein sind straff abgestimmt: Schlaglöcher hauen dir ins Kreuz, die Front wird oft sehr leicht. Dafür liefern die Federelemente Infos über die genaue Form und Farbe jedes einzelnen Kieselsteins?…

Die Fahrt fantastisch, wer mag da über den Sitz klagen, der nach wenigen Kilometern heiss wird oder über die Scheinwerferanzeige im Cockpit, die den Blick nach vorn bei Nachtfahrt stört?

Grosses Foto: Cockpit

Leider sehr, sehr teuer

Schön, gibt es Hersteller wie Bimota. Verkaufszahlen stehen nicht im Zentrum. Sie gehen vielmehr von einer Idee aus, von der sie überzeugt sind, dass sie funktioniert. Weil sie so klein sind, unterliegen sie den Zwängen der Serienproduktion nicht. Allerdings profitieren sie auch nicht von den Vorteilen grosser Stückzahlen. Das liest man dann auf dem Preisschild. Was tun? Lotto spielen, Bank ausrauben? Weiter träumen! 


AUF EINEN BLICK - BIMOTA DB6 DELIRIO

Notenverteilung der Bimota (bei Bestnote = 5)

  • In der Stadt                  Note 3
  • Auf grosser Tour         Note 1
  • Sportlich fahren          Note 4
  • Zu zweit unterwegs    Note 1
  • Emotionen                    Note 5


Fazit


Dass in Italien Fahrmaschinen gebaut werden, die das Herz anrühren, ist mehr als ein Klischee. Das leichtfüssige Design und Handling sowie die Top-Verarbeitung von Bimota in Kombination mit dem zu hoher Zuverlässigkeit gereiften Ducati-Desmo versprechen viel Spass ohne Reue – wenn man den nicht unbescheidenen Einstandspreis einmal herausgerückt hat. 


BIMOTA IN DER SCHWEIZ
Einen Bimota-Importeur für die Schweiz gibt es nicht (mehr). Ansprechpartner für Interessenten ist Ducati Mittelland in Niederbipp, Tel. 032 633 31 60. Geschäftsführer Daniel Weber hatte mit dem Deutschland-Importeur Tommy Wagner zusammengearbeitet, der kürzlich das Handtuch warf. «Ich bin jetzt daran, die direkten Kontakte zum Werk auszubauen», so Weber.

Circa-Schweizer Preis der Bimota Delirio: 30'000 Franken



TECHNISCHE DATEN

Antrieb

Luftgekühlter 90°-V2. OHC, zwei Ventile pro Zylinder. Saugrohreinspritzung, Drosselklappen-ø 45 mm, Verdichtung 10,5?:?1. Nasssumpfschmierung. E-Starter. Zahnradprimärantrieb. Hydraulische Nasskupplung. Sechs Gänge. Endantrieb Dichtringkette.
Bohrung x Hub  98 x 71,5 mm
Gesamthubraum  1078 cm3


Leistungsdaten Werk


max. Leistung 95 PS bei 7750/min
max. Drehmoment  10,5 mkg bei 4750/min


Fahrwerk

CroMo-Gitterrohrbrückenrahmen. Telegabel, voll einstellbar. Alu-Einarmschwinge, Zentralfederbein voll einstellbar in Vorspannung, Ein- und Auswärtsdämpfung.
Gabelinnenrohr-ø 50 mm
Federweg vorn/hinten 120/130 mm
Räder, Bremsen  Alu-Gussräder, Radialreifen, vorn 120/70?ZR?17, hinten 180/55?ZR?17. Zweischeibenbremse mit Vierkolbenzangen vorn, Einzelscheibe mit Zweikolbenzange hinten. Bremsscheiben-ø 320/220 mm.


Abmessungen und Gewichte


Radstand 1430 mm, Sitzhöhe 820 mm, Tankinhalt 17 l, Trockengewicht 170 kg.


Hier geht's zur grossen Fotogallery der Bimota Delirio

Unten das Youtube-Video einer Delirio beim Wheelie (leider nur sehr kurz)



««zurück
NEU! ePaper hier lesen!

Newsletter abonnieren

* Pflichtfeld