Test und Technik

Test Speed Triple 1050

Fahrbericht Triumph Speed Triple

10.03.2008 00:00

Ein schwarzer Hochdruckreaktor mit zwei Rädern und nur wenig Drumherum. Das macht den Charme der Triumph Speed Triple aus, und das bleibt trotz Feinschliff so. Text: Daniel Riesen Bilder: Gold + Goose


"Tu den Tiger in den Tank" - die 2008er-Speed Triple hat erneut die Krallen gewetzt und fährt sich schärfer denn je..

Fixe Marketingleute sind schnell zur Stelle, ein Modell zur Legende hochzureden. Die Triumph Speed Triple hat dies nicht nötig, denn sie füllt den Begriff mit Inhalt: All jene, die sie nie gefahren haben, haben trotzdem eine Vorstellung davon, worum es bei ihr geht. Um rohe Kraft, gebändigt nur von einem soliden Rahmen und kräftigen Bremsen und einem richtigen Kerl am Lenker. Nichts für Beckenrandschwimmer und Rolltreppenfahrer.

Wahl für Kenner und Könner

Während Jahren war die Speed ­Triple die Wahl der Kenner und Könner. 2005 folgte der Durchbruch zu massiv höheren Verkaufszahlen. Mit radikaler Bodybuilder-Optik und mehr Dampf aus dem auf 1050 cm3 gewachsenen Reihendreizylinder bei gleichwohl einfacherer Fahrbarkeit schnellten die Verkaufszahlen in die Höhe.

Foto: Fahrfoto von links

Optische Retuschen

An diesem Erfolgscocktail ändern die Briten für die Überarbeitung per 2008 natürlich nur wenig. Neue Bremsen, andere Räder, ein neu gestyltes Heck und ein feiner Magura-Lenker sehr wohl. Doch der Kern bleibt unverändert: die Doppelscheinwerfer, der doppelt geführte Rundrohr-Alurahmen, die Einarmschwinge, die zwei ultrakurzen Ovalschalldämpfer und, mittendrin, der Turm von Motor, der Triple. Bereits 2007 war dessen Spitzenleistung marginal von 128 auf 132 PS gewachsen. Dabei bleibts. Mehr Leistung habe man auch gar nicht gesucht, beteuert Marketingmanager Trevor Barton: «Wir wollten nichts vom bauchigen Drehmoment opfern.»

Foto: Fahrfoto von rechts

Volles Drehmoment

Dieser Druckreaktor musste eben nie Sportmotor sein. Sein Glück, denn für heutige Verhältnisse ist er erstaunlich langhubig (etwas genauer: ein relativ langhubiger Kurzhuber mit 79×71,4 mm) und presst sein volles Drehmoment (105 Nm) dort tieftourig auf die Kurbelwelle (bei 5100/min), wo sich Drehorgeln anderer Hersteller bloss schüchtern räuspern (wie gut Honda das Downtuning des Fireblade-Motors für den Streetfighter CB 1000 R gelingt, erfahren wir erst in einigen Monaten).

Foto: Mattschwarze Speed Triple

Druck, Druck, Druck

Der Dreizylinder (Triple) steht im Namen, dominiert das Erscheinen der gedrungenen Triumph, und er dominiert das Fahrgefühl in jeder Beziehung. Da ist der Druck, die spontane Leistungsbereitschaft bei fast jeder Drehzahl. Auch im grossen Gang rund laufend ab 2500/min, zögernd etwas verschnaufend bis 3500/min, um dann laufend mit grossen Briketts Schub nachzulegen, dieser Motor lässt keinen verhungern. Früh nach der Topleistung – bei 9250/min – rauscht man in den Begrenzer. Da ginge wohl mehr, liesse man die Ventile nur tanzen, doch es wär doch zu schade, diesen Wunderburschen unnötig zu verheizen.

Foto: Orange Speed Triple

Sound

Den Dampf geniesst man fast ohne Nebeneffekte. Im unteren Drehzahldrittel gibts noch einen spürbaren Lastwechsel (Gas zu, Gas auf), ist das Feuer aber mal richtig gezündet, gehen die Übergänge fein und doch ultradirekt vonstatten. Dazu kommt das herzhafte Schaben des Motors, das Ansaugbrabbeln aus der Airbox und beim Gaswegnehmen ein Schnorcheln aus ähnlichen Gefilden, die das Spiel mit der Gashand zum Konzert machen.

Foto: Orginal-Triumph-Auspuffanlage

Zubehörauspüffe: Arrow

Dabei gäbs da im Zubehör noch eine Arrows-3-in-1-Anlage mit Suchtpotenzial (Preis: 1748.- (inkl. MwSt)), doch das ist ein anderes, leider der Rennstrecke vorbehaltenes – weil sonst illegales – Kapitel.

MP3-File: Sound der Arrows-3-in-1-Anlage (kann bsp. im Windows Media Player abgespielt werden).

Allerdings ist nur die 3-in-1-Anlage von Arrow nicht homologierbar, die 3-in-2-Underseat-Slip-on-Anlage von Arrow ist laut Auskunft von Triumph für die Schweiz homologiert (Preis: 1370 Franken (inkl. MwSt.)). Beide Zubehöranlagen von Arrow können inklusive weiteren Zubehörs direkt beim Schweizer Triumphhändler bestellt werden.

Tier unter dem Hintern

Dominierend ist der Motor auch fürs Handling der Speed Triple. Hier liegt wahrhaftig das Massenzentrum dieses Motorrads, hier rotieren beträchtliche Massen. Mit einem solchen Tier unter dem Hintern geht man nicht spielerisch um wie zum Beispiel mit Schwester Street Triple. Wo diese durch die Kurven tänzelt, kämpft sich die Speed Triple wie ein Stier durch. Speed Triple fahren ist Bull Wrestling.

Fahrwerk

Nach der ersten Frühlingsausfahrt verspürt man ein Ziehen in Schultern und Nacken. Das soll nun nicht heissen, die Speed sei ein sturer Bock. Schliesslich ist das Fahrwerk mit steil stehender Gabel und kurzem Radstand auf Handlichkeit getrimmt. Doch weil dieser Töff zum Angriff reizt, wachsen Tempo und Kreiselkräfte. Da gehts nicht ohne Körpereinsatz. Das war bisher so, das ist mit der Speed Triple 2008 nicht anders.

Foto: Die Speed Tripel eignet sich auch prima zum Cafe-Racen...

Bremsen

Wo viel Speed drin ist, müssen auch ordentliche Speed-Vernichter dran sein. Triumph setzt hier neu auf radial angeschlagene Vierkolben-­Brembos. ABS ist nicht im Programm. Der in einem weiten Bereich einstellbare Bremshebel wirkt für optimale Dosierung radial auf die Geberpumpe.


Die Bedienkraft ist gering, der Grat zwischen sanftem Anfangsbiss und Brachialverzögerung indes schmal. Mit der Folge, dass mans beim Bremsen in die Kurve hinein zuerst öfter übertreibt. Ein echtes Thema, weil die Speed Triple zumindest bei der anfangs gewählten Standard-Fahrwerkseinstellung und mit den aufgezogenen Dunlop Qualifiern heftig aufstellt. Eine straffer gedämpfte Gabel schafft teilweise Abhilfe, ein Versuch mit anderen Reifen wäre zu erwägen.

Foto: Fahrfoto

Seriös bleiben? Schwierig!

Auch beim schweren Anrauchen bleibt das Briten-Bike stabil, sobald man fürs voll einstellbare Federbein die dem eigenen Fahrstil angepasste Feinabstimmung gefunden hat. Dazu macht die Speed unverschämt Lust auf kleine Dummheiten, fürs Einradfahren (vorn oder hinten) scheint sie wie gemacht.

Kleine Unzulänglichkeiten

Soll man da kleine Unzulänglichkeiten überhaupt noch erwähnen? Doch, man darf, sie trüben die Freude nur minimal, man könnte sie mit einer nächsten Überarbeitung aber vielleicht beheben. So ist der Seitenständer nur mit Mühe zum Ausklappen erreichbar, im Cockpit sind Tempo und Drehzahl zwar tipptopp, der mikrokleine Kilometerzähler aber fast gar nicht lesbar, und der Lenkeinschlag ist zu knapp: Ist doch unwürdig, nach einem grandiosen Wheelie trippelnd im Sägezahnverfahren zu wenden.

Foto: Speed Triple fahren ohne Wheelies? Natürlich nicht...

Also liebe Leute: Die Triumph Speed Triple ist eine fantastische Fahrmaschine und braucht keine Legende zu bleiben: Sie steht in den nächsten Tagen an der Swiss-Moto, und gleich danach kommen die ersten Exemplare zu den Händlern.

Fazit

Es hat gut getan, die Triumph Speed Triple wieder einmal zu fahren. Ob die «alte» oder die neue Version besser ist, ist – ehrlich gesagt – nicht von überragender Bedeutung, zu gering sind die Unterschiede. Besonders der gleichzeitig raue und doch so sanfte Drehmomentriese von Dreizylinder ist und bleibt eine Reverenz bei den «dicken» Streetfightern.


Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt 3 Punkte
Auf grosser Tour 3 Punkte
Sportlich fahren 4 Punkte
Zu zweit unterwegs 3 Punkte
Emotionen 4 Punkte

 


 Technische Daten Triumph Speed Triple 1050 (2008)

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Reihendreizylinder, Kurbelwelle quer, eine Ausgleichswelle.
VentilsteuerungDOHC per Zahnkette, 4 Ventile pro Zylinder,
Bohrung x Hub79 × 71,4 mm
Hubraum1050 ccm
Verdichtung12,0:1
GemischaufbereitungMotormanagement mit Benzineinspritzung und elektronischer Zündung.
Drosselklappen-Durchmesser46 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslassk.A
SchmierungNasssumpfschmierung mit Ölkühler.
Auspuffanlage3-1-2-Auspuffanlage mit geregeltem Kat.
Starter E-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 132 PS (97 kW) bei 9250/min
Max. Drehmoment10,7 mkg (105 Nm) bei 7500/min
V-max.k.A

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb. Mehrscheiben-Nasskupplung, Seilzug.
GängeSechsganggetriebe
EndantriebEndantrieb über Dichtringkette

Fahrwerk

RahmenAlu-Ovalrohr-Brückenrahmen.
Federung vorneUSD-Telegabel, Federvorspannung, Ein-, Auswärtsdämpfung einstellbar.
Gabelinnenrohr-Durchmesser43 mm
Federung hintenEinarmschwinge aus Leichtmetallguss, Zentralfederbein voll einstellbar.
Federweg vorn/hinten120 / 141 mm

Räder

RädertypAluminium-Gussräder. Schlauchlose Radialreifen (Testmaschine: Dunlop Sportmax Qualifier).
Felgendimension vorn3.50×17"
Felgendimension hinten5.5 x 17"
Reifendimension vorn120/70 ZR 17"
Reifendimension hinten180/55 ZR 17"

Bremsen

Bremse vornVorn zwei Stahlscheiben (320 mm) mit Vierkolbenzangen.
Bremse hintenHinten Einzelscheibe (220 mm) mit Zweikolbenzange
ABSnein, nicht erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1429 mm
Lenkkopfwinkel66,5°°
Nachlauf84 mm
Trockengewicht189 kg; Leergewicht fahrfertig voll getankt: 217 kg
Sitzhöhe815 mm
Tankinhalt (davon Reserve)18 / 3,5 l

Farben

Foto: alle drei Farbvarianten auf einem Foto

Orange
Schwarz matt
Weiss
x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 17'290.–, inkl. MwSt. und NK
Erstmöglicher Lieferterminab sofort
Import überTriumph SA F-77437 Marne-la-Vallée, Tel. 0033 164 623 838 (oder siehe Link)

Sonstiges, Bemerungen

Bemerkungnicht mit 34 PS erhältlich. Ab Händler mit zweiter, homologierbarer Arrow-Auspuffanlage erhältlich (siehe Text).






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