Test und Technik

Renner oder Spassmaschine?

Fahrbericht: Kawasaki Ninja 250R

19.05.2008 00:00

Test: Die neue Kawasaki Ninja 250R ist nicht unbedingt ein stattlicher, aber ein sehr stadtlicher Töff. Ideal für Junge und Junggebliebene. Text: Daniel Riesen Bilder: Hanstra, Meppelink


Gebt den Jungen wonach sie lechzen: Kawasaki Ninja 250R.

Geld ist immer ein Thema. Gerade wenn man jung ist: Merkwürdigerweise schmeisst einem der Chef das Geld nicht haufenweise nach. Und wenn Papa dies auch nicht tut, muss beim Töffeinstieg schon genau gerechnet werden. Eine Sport-600er, wegen des Gesetzes vorübergehend auf 34 PS gedrosselt, wär schon was Leckeres.

Doch was steht da auf dem Preisschild: «Füfzäh tuusig Schtutz»? Puuh! Da sind selbst die Leasingraten ganz schön happig.
Bisher gabs als Alternative entweder brav gestylte Mittelklasse-Bikes oder Occasionen. Kawasaki bietet nun eine nicht nur fürs Bankkonto interessante Alternative: die Ninja 250 R.

Jawohl, richtig gelesen, eine 250er. Man hat hierzulande schon lange nichts Neues in dieser vergessenen Klasse gesehen. Dabei erreicht man mit einem Viertelliter-Viertaktmotor bei den heutigen Abgasvorschriften gerade eben den Bereich von 25 kW/34 PS, die legale Limite für Einsteiger-Töff ab 18 Jahren. Passt also bestens für die zwei ersten Jahre eines Töfffahrerlebens.

6690 Franken und neu!

Der Preis für die Kawasaki Ninja 250R beträgt Fr. 6690.–. Neu, nicht Occasion, wohlgemerkt! Es gibt 125er, die mehr kosten.
Für erstaunlich wenig Geld erhält man viel Motorrad. Denn anders als die meisten 125er, die mit ihren Abmessungen ihre Kleinmotorisierung auch nach aussen zeigen, wirkt die 250R vollwertig, erwachsen. Der Eindruck täuscht nicht. Mit 1400 mm Radstand liegt die Ninja wie mit ihren anderen Dimensionen im Mittel moderner 600er-Supersportler!

Foto: Vollwertiges Cockpit


Das offizielle Kawasaki Ninja 250R-Video:

Die Verarbeitung ist durchaus korrekt; frei liegende Steckverbindungen sichtet man auch an doppelt so teuren Töff. Richtig auffällig hat der Sparstift aber an einer für Fahrerinnen und Fahrer stets sichtbaren Stelle angesetzt: bei den Instrumenten. Traurig schwarzen Uhren, umrahmt von billig anmutendem «Plastigg» aus den 70er-Jahren – da kommt beim Ninja-Treiber keine Freude auf.

Und was meinten die Kawasaki-Hostessen an der Swiss-Moto 2008 zu dem kleinen Rennerchen?

Leichtes Rennerchen

Nun zu erfreulicheren Dingen. Die beginnen schon mit dem Aufsitzen und Aufrichten der Maschine. Offiziell wiegt die Maschine 154 kg trocken, fahrfertig vollgetankt werdens rund 180 kg sein. Das ist nicht aufsehenerregend leicht – eine 600er-Supersportlerin ist auch nur 10 kg schwerer – und doch fühlen sich die Kilos hier irgendwie anders, hmm… leichter an. Das liegt daran, dass die 250er sowohl schmal wie niedrig ist. Da gibts nicht viel vom Seitenständer zu stemmen, und dank schmaler, tiefer Sitzbank geraten auch Kurzbeinige nicht in Gefahr, unelegant zehenspitzeln zu müssen.

Entspannte Sitzposition

Zu einer Ninja gehört ein Stummellenker, doch bei der 250er sind die Lenkerhälften oberhalb der Gabelbrücke angebracht und deshalb deutlich höher, das heisst entspannte Sitzposition, keine Nackenstarre, gute Übersicht im Verkehr.

Gute Voraussetzungen, um sich ins Innenstadtgewühl von Barcelona zu stürzen. Erstmals nach Monaten regnets hier wieder anständig. Den Katalanen mag ichs gönnen, mir weniger.

Vermutliches Zielpublikum: 18-28 Jährige

Leise summt die Ninja

Beeindruckt der erwachsene Look der Maschine, gibts nach dem Druck auf den Anlasser eine leise Enttäuschung: Das Triebwerk gibt ziemlich unspektakuläre Geräusche von sich, klingt eher wie eine 125er, schwachbrüstig. Erst am Nachmittag, beim Ausdrehen auf den Landstrassen ausserhalb Barcelonas und entsprechend hohen Drehzahlen von gegen 14'000/min, stimmt es dann ein anderes, schreiendes und durchaus kerniges Lied an.

Sound: leider leise

In der Stadt fährt man mit 2000/min und gefühlvollem Einkuppeln los, begnügt sich fürs Mitschwimmen im Verkehr mit 4000 bis 8000/min und bleibt leise. Hat ja auch sein Gutes: Die Ninja gibt sich im Ton so diskret, dass auch der schärfste Tschugger nicht auf die Idee einer Lärmmessung kommt!  

Motor

Ausserdem gibt sich der Gegenläufer-Twin – wenn der eine Kolben oben ist, steht der andere unten – sehr kultiviert, vibriert kaum. Erst beim munteren Hochdrehen wirds gröber, aber da ist man meist schnell genug unterwegs, um davon nichts mehr mitzubekommen. A propos schnell: Tachostand 160 ist zügig erreicht, damit wäre die Topspeed-Debatte angesichts der Schweizer Limits schon beendet.

Er will Drehzahlen

Die 250R erreicht eine ähnliche Beschleunigung wie eine gedrosselte 600er, nur muss man halt den kleinen Motor mehr drehen. Der Zweizylinder aus der hierzulande bis Ende 1992 erhältlichen ZZ-R 250 wurde für die Ninja modernisiert. So ist die Einspritzanlage mit 8-Loch-Düsen und Doppeldrosselklappen richtig up to date.

Ab mittleren Drehzahlen fällt die verzögerte Gasannahme weg, die tieftourig auf nassem Asphalt noch irritiert hat. Diese Schwäche ist deshalb erwähnenswert, weil man die Drehzahl ganz gern tief fallen lässt, da auch hier erstaunlicherweise schon einige Leistung vorhanden ist.

King in town

Im urbanen Hindernislauf macht die Ninja mit ihrer schmalen Shilhouette und dem grossen Lenkeinschlag sowieso richtig Spass; nur Roller und Velos wenden noch enger, und die hängt man mit Zwischenspurts locker ab (die meisten Autos sowieso).  Klare Sache: Die Kawasaki Ninja 250R ist ein ganz und gar stadtliches Motorrad.

Spassmaschine

Nachdem alle Fotos im Kasten sind, gehts raus aus der Stadt, hinein in die Hügel. Natürlich regnet es weiter, wir sind ja nicht zum Spass hier. Und doch bereitet die 250R Vergnügen. Zirkelt mit einer Leichtigkeit um engste Bögen, von der man auf einer Lenkerstummel-600er nur träumen kann. Natürlich auch dank schmaler Reifen.

Die Pneus stammen vom wenig renommierten japanischen Hersteller Inoue, bieten durchaus akzeptablen Grip im Nassen, können aber im Trockenen mit richtig modernen Gummis nicht mithalten, wie meteorologisch begünstigtere Journalistenkollegen berichteten. Dennoch kann man mit der Erstbereifung gut leben, bestimmt sehr viele Kilometer fahren und dann auf immer noch günstige Pneus bekannter Hersteller umsteigen.

Sparmobil

Überhaupt dürfte die Ninja ein im Unterhalt günstiges Fahrzeug sein. Auf Nachfrage erklärte ein Kawasaki-Ingenieur, der Verbrauch liege in der Stadt bei 4 Litern, auf der Landstrasse gar bei nur 2,5 l pro 100 km. Dazu gibts drei Jahre Garantie; beim allfälligen Verkauf nach den zwei Einsteigerjahren gilt sie also noch.

Gabel dürfte etwas straffer sein

Trotz hochgradiger Wendigkeit wirkt die – für 250er-Verhältnisse – lange Ninja nie nervös, und auch an Stabilität scheint es ihr kaum zu mangeln. Im Regen geht man naturgemäss gezügelt ans Werk und lotet die Fahrwerksqualitäten nicht aus. Gröbere Mängel sind an Federelementen und Bremsen trotzdem auszuschliessen, so viel lässt sich auch bei Nässe beurteilen. Die Gabel dürfte etwas straffer gedämpft sein, doch das wars schon an Kritik. Das Federbein glänzte gar mit viel Komfort, ohne lasch zu wirken.

Ein letztes Argument: Mit der 33 PS starken Kawasaki Ninja 250R gerät man nie wirklich in Versuchung, den Töff illegal zu entdrosseln!

Fazit

Machen wirs einfach: Die kleinste Ninja bietet alles, was für den Einstieg in die Motorradwelt notwendig ist. Sie macht in fast jeder Hinsicht Freude. Im Vergleich mit einem gedrosselten und deutlich teureren Mittelklasse-Töff (um 600 ccm) hat die 250R Vor- und Nachteile, doch der Preis ist klar attraktiver. Auf jeden Fall eine überlegenswerte Alternative.

Ihre Agilität zeigt die kleine Ninja in diesem Musik-Video:

Ideales Stadtbike? Auf jeden Fall extrem agil:

Die Qual der Wahl - cooles Schwarz oder giftiges Kawa-Grün?

Ninja 250R - da findet man schnell Freunde?

Oder man bleibt halt eben Single. Die Ninja 250R ist auf jeden Fall etwas für junge Menschen.

Angst über der Stadt? Die kleine Ninja greift an...



Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt4 Punkte
Auf grosser Tour2 Punkte
Sportlich fahren3 Punkte
Zu zweit unterwegs2 Punkte
Emotionen3 Punkte


Technische Daten Kawasaki Ninja 250R

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder-Viertaktmotor.
Ventilsteuerung2 obenliegende Nockenwellen steuern je 2 Einlass- und Auslassventile pro Zylinder.
Bohrung x Hub62 × 41,2 mm
Hubraum249 ccm
Verdichtung11,6 : 1
GemischaufbereitungEl. Motormanagement mit Benzineinspritzung (eine Düse und zwei Drosselklappen pro Zylinder) und elektronischer CDI-Zündung.
Drosselklappen-Durchmesser28 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass-
SchmierungNasssumpfschmierung mit Ölkühler
Auspuffanlage2-in-1-Auspuffanlage mit geregelten Katalysatoren
StarterE-Starter.

Leistungsdaten

Max. Leistung 33 PS (24 kW) bei 11^'000/min
Max. Drehmoment2,4 mkg (22 Nm) bei 8200/min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb, Mehrscheiben-Nasskupplung.
GängeSechsganggetriebe
EndantriebEndantrieb Dichtringkette

Fahrwerk

RahmenStahlrohr-Rahmen.
Federung vorneTelegabel
Gabelinnenrohr-Durchmesser37 mm
Federung hinten U-Schwinge aus Vierkant-Stahlrohr. Zentralfederbein, Federbasis einstellbar.
Federweg vorn/hinten120 / 130 mm.

Räder

RädertypAlu-Gussräder. Schlauchlose Radialreifen
Felgendimension vornMC17
Felgendimension hinten110/70
Reifendimension vornMC 17
Reifendimension hinten130/70

Bremsen

Bremse vornEinscheibenbremse (290 mm) mit Doppelkolbenzange
Bremse hintenEinscheibenbremse (220 mm) mit Doppelkolbenzange
ABSnein

Abmessungen und Gewichte

Radstand1400 mm
Lenkkopfwinkel64°
Nachlauf82 mm
Trockengewicht154 kg
Sitzhöhe775 mm
Tankinhalt (davon Reserve)17,0 l

Farben

Schwarz
Kawa-Grün
x
x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 6690.–, inkl. NK
Erstmöglicher Lieferterminab sofort
Import überFibag AG, Safenwil,
Tel 062 788 85 55

Sonstiges, Bemerungen

Bemerkung-

Konkurrenten

bis jetzt keine


Dieses Zubehör gibt es ab Kawasaki-Händler zur neuen Ninja:

Höhere Windschutzscheibe:

Sturzpads:

Miniblinker hinten:

Miniblinker vorne:

Weiteres Zubehör: Soziusbankabdeckung

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