Auf Achse

Motorradreise - Mallorca (E)

Motoristisches Noviziat

20.10.2015 00:00 (van Dam/br)

Auf Mallorca spricht man Deutsch. Das ist jedenfalls die Gemeinsprache in der Ferienkolonie Colonia de Sant Jordi. Familien geniessen hier 30 km lange Sandstrände, Natur pur à la Karibik. Die Verlockung ist gross, aber die Black Beauty auf dem Parkplatz siegt letztlich über Sonne, Meer und Strand.


Panoramische Aussicht amCap de Formentor auf Meerund Berge. (Für mehr Bilder klicken)

Am äussersten Zipfel Mallorcas

Vor Tau und Tag bin ich schon wieder unterwegs. Denn ich will unbedingt auf die Halbinsel Cap de Formentor fahren, bevor mir die Radfahrer den Spass verderben. Die Sonne steigt gerade am Horizont empor, als ich Formentor erreiche. Keine Seele ist zu sehen, auch der Hafen von Port de Pollença schläft noch. Rasch werden die Schiffchen kleiner im Rückspiegel, dann treten bizarre Felsformationen in den Vordergrund. Ein gerades Stück Strasse führt durch einen Wald, was sich aber glücklicherweise nur als kurzes Intermezzo entpuppt. Im Nu nehmen die Kurven wieder überhand in einer von kahlen Steinen geprägten Landschaft. Hier und da muss ich einfach anhalten, um die herrlichen Ausblicke zu geniessen. Und dann, auf einmal, nach der soundsovielten Kurve, liegt plötzlich das Ende der Welt vor mir, samt Leuchtturm und heulenden Winden. Hier dürfen die Winde Tramuntana, Ponent und Mogjorn en Llevant hemmungslos ihre Kräfte messen und einander auf die Nase dreschen. Fast haben sie meine Handschuhe erwischt, um sie in die tobende See unter dem Leuchtturm zu verfrachten. Dieselbe Strecke mit denselben, irrsinnigen Kurven, aber jetzt andersrum, ist auf dem Rückweg nicht minder schön. Auch der Ausblick auf die Insel Formentera von der anderen Meeresseite aus bei Alcùdia lässt wieder Seufzen vor Staunen aufkommen. Ach, wie schön ist es, Mallorca auf dem Motorrad zu erkunden! Das letzte Stück der Strasse ist Militärsperrzone. Wenn also die Klosterbrüder von Betlem oder Sant Salvador mich nicht haben wollen, möchte ich gerne beim mallorquinischen Bund dienen. Na ja. Träumen darf man ja. Und unterwegs gut die Augen offen behalten wegen all dem Schönen, das der liebe Gott auf dieser Insel erschaffen hat. Und wegen dem, was die Menschen noch hinzugefügt haben, wie etwa die schöne Kirche und die Stadtmauer von Alcùdia, alles ganz mittelalterlich. Dann fahre ich wieder in die Berge hinein. Ein einheimischer Tischnachbar verriet mir geheime Strecken, die sogar die meisten der hartnäckigen Radfahrer nicht kennen. So ist denn diese Bergwelt ganz für mich alleine reserviert, all die Serpentinen zwischen Alarò, Orient und Bunyola. Und wie schön ist sie hier, die Natur! Man braucht kein Geologe zu sein, um von den verschiedenen Felsformationen entzückt zu werden. Manche haben sanfte Rundungen, andere sind eingekerbt wie von Beilschlägen einer der grauen Ursuppe entstammenden Gottheit. Jetzt aber nicht philosophieren oder träumen! Auf der Hauptstrasse stürmen die Radfahrer wieder mit voller Wucht an. Sie dürfen nicht durch den Tunnel und müssen deshalb dieselben Serpentinen über den Coll de Soller benutzen, wie ich sie auf meiner Karte angemalt habe. Ach, warum auch nicht? Die Welt ist schön und gross genug für uns alle – jedenfalls auf Mallorca.

 

Teil 1
Motoristisches Noviziat
Teil 2
Mallorca heisst alle willkommen

Teil 3
Wieder bleibt beim Ausblick die Luft weg
Teil 4
Insel mit Magnetwirkung
Teil 5
Ab ins Hinterland
Teil 6
Am äussersten Zipfel Mallorcas
Teil 7
Reise-Info
Teil 8
Unser Reisender

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