Auf Achse

Knastbros Travel Weltreise

10. Woche: Kasachstan

11.07.2016 00:00 (bb/bb)

Um uns den langen Weg über die nördliche Autobahn zu sparen, planen wir die nächsten 600 km querfeldein. Auf der Karte sind kleine Wege eingezeichnet. Das wird schon schief gehen...


Dier ersten Kilometer auf unser "Querfeldein" Route von Kulsary zum Aralsee. (Für mehr Bilder klicken)

Die Schotterstrasse ist zu Anfang ziemlich gut, und wir können 60 bis 80 km/h fahren. Aber nach wenigen Kilometern wird die Strasse immer schlechter. Teilweise ist auch gar keine Strasse mehr sichtbar. So fahren wir über Stock und Stein Richtung Osten. Das grösste Problem ist der Schlamm: Wir müssen die ganze Zeit aufpassen, dass wir nicht wieder in grosse Schlammlöcher fahren und steckenbleiben. Einige Tage zuvor muss es wohl geregnet haben, denn wir müssen teilweise kleine Seen grossräumig umfahren.

 

Die erste Nacht unseres Querfeldein-Abenteuers verbringen wir auf einer Anhöhe inmitten einer grossen Steppe. Wir haben uns in der letzten Ortschaft noch mit Essen und Wasser eingedeckt und kochen uns Pasta mit Sauce. Am nächsten Tag wissen wir, dass wir etwa 270 km vor uns haben bis zur nächsten kleinen Ortschaft. Bei solchen Verhältnissen ist das eine ganz schön weite Strecke! Wie kämpfen uns den ganzen Tag durch die Wildnis und erreichen das Tagesziel nach 12 Stunden auf dem Motorrad. Hier können wir uns nochmals mit Benzin, Wasser und Essen eindecken und uns für die letzten 150 km querfeldein rüsten.

 
Am dritten Tag sind wir vor allem auf Sandpisten unterwegs; das geht schon besser, und die Strasse wird zum Teil wieder sichtbar. Unser Material hat aber auf diesen 600 km stark gelitten. Wir haben nach dem ersten Tag aufgehört, unsere Stürze zu zählen - an die 20 sind es sicher gewesen. Tja, so ist das halt... Teilweise ist es schon ein komisches Gefühl, so alleine in der Natur unterwegs zu sein. Man muss sich vorstellen, wir würden die 600 km durch die ganze Schweiz fahren und keiner Menschenseele begegnen.
 
Im Rückblick hatten wir trotz allem eine gute Zeit mitten in der Natur. Uns sind unterwegs Kamele, Wildpferde, Kühe, Erdmännchen und viele andere Tiere begegnet. Nach den letzten 150 km verbringen wir die Nacht in einem Hotel in einer grösseren Ortschaft. Wir geniessen nicht nur das Bett, sondern auch die Dusche, denn wir haben uns seit einer Woche nicht mehr duschen können.
 
Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Aralsk; das ist eine ehemalige Hafenstadt am Aral-See. Der einstmals viertgrösste Binnensee der Welt ist in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft, da das Wasser der Zuflüsse für die Bewässerung von Steppengebieten gebraucht wird. Die Stadt Aralsk, die früher direkt am Seeufer lag, ist heute 25 km vom See entfernt.
 
Am Abend ist noch Pneuwechsel angesagt. Seit Griechenland haben wir einen zusätzlichen Hinterpneu dabei. Mit unseren Goldentyres wäre es zwar noch möglich, einige Kilometer zu fahren, bevor sie ganz durch sind, aber wir wissen, dass uns um den See viel Schlamm und Sand empfangen werden. Wir haben auch genug vom zusätzlichen Gewicht des mitgeschleppten Pneus. Der Goldentyre hat seine Pflicht mehr als erfüllt: Wir haben über 12'000 km mit diesem Reifen gemacht. Das ist für einen Stollenpneu eine sehr gute Leistung. Jetzt mal schauen, was der Pirelli Rally Cross kann. Mit unserem kleinen Werkzeug ist der Pneuwechsel eine Murkserei,  aber mit genug Kraft gelingt es uns.
 
Am nächsten Tag gehen wir auf die Suche nach verrosteten Booten. Weil der See so extrem geschrumpft ist, stehen heute die alten Boote mitten in der Wüste und dienen den Kamelen als Unterstand. Nach einer Weile auf sandigen Strassen tauchen plötzlich Boote mitten in der Steppe auf. Das ist schon ein komisches Bild! Man muss sich vorstellen, dass diese Boote noch vor 40 Jahren glücklich über das Wasser des Aralsees brausten, und jetzt stehen sie inmitten der Wüste. So etwas sieht man wirklich nicht alle Tage.
 
Tags darauf wollen wir eigentlich den 220 km entfernten Weltraumbahnhof Baikonur besichtigen. Das ist aber leider nicht möglich, denn ohne speziellen Ausweis können wir nicht einmal die Stadt betreten. Baikonur wird auch heute noch als Weltraumbahnhof benutzt. Auf die Frage, wieso wir die Stadt nicht betreten können, bekommen wir vom Wächter am Tor mit der Kalaschnikow im Anschlag keine Antwort. So heisst es halt Weiterfahren ohne Raketen-Fotos im Gepäck. Zwei Tage später lassen wir in der Zeitung, dass zwei Astronauten gelandet sind, was wohl der Grund dafür gewesen sein mag, weshalb uns der Zutritt verwehrt blieb.
 
In den nächsten Tagen fahren wir weiter bis nach Schymkent. Die Autobahn ist frisch geteert, und wir kommen sehr gut voran. Das Einzige, was uns ab und zu stoppt, sind die vielen Polizeikontrollen. Wir werden jeden Tag mindestens einmal angehalten. Die meisten Polizisten halten uns nur an, weil sie unsere Motorräder bestaunen wollen. Andere aber versuchen, uns etwas anzuhängen, zum Beispiel zu schnelles Fahren oder weil wir keine Versicherung haben. Einmal stehen wir etwa 30 Minuten mit dem Polizisten auf dem Pannenstreifen und kommunizieren mit Google-Translater. Nach einer halben Stunde verleidet es ihm aber, denn er realisiert, dass seine Mittagspause in Gefahr ist. So sagt es nur «Ride!», und wir fahren mit einem Lachen weiter. Ab und zu bremsen uns Hunde aus, die teilweise von weitem angerannt kommen und versuchen, uns bei voller Fahrt zu beissen. Einer dieser Hunde krachte einem von uns bei Tempo 80 voll in die Seite rein und kam unters Hinterrad. Eins wissen wir: Dieser Köter wird in Zukunft nie mehr versuchen, einen Motorradfahrer zu beissen. 
 

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