Auf Achse

Thurgau

Wo Most und Honig fliessen

05.09.2017 17:23 (fs/ps)

Mit einer 350er Enfield Bullet gehts durch den Ostschweizer Kanton Thurgau, auch als «Mostindien» bekannt.

Nebelschimmer liegt noch über dem Bodensee, als ich bei Ermatingen, ­einem kleinen Dorf gegenüber der Insel Reichenau, die Hauptstrasse am See verlasse und in die Höhen des Seerückens fahre. Es ist eine Landschaft wie gemacht für die 17 PS starke Enfield. Kleine Höfe liegen am Wegesrand, Weinberge an sonniger Lage, und überall stehen Obstbäume auf den Feldern. Insbesondere wegen der vielen Äpfel (und der groben Ähnlichkeit von Thurgau und Indien auf der Landkarte) nennt man diesen Kanton auch «Most­indien».

Gemütlich geht es durch die sanfte Hügellandschaft auf fast verkehrsfreien ­Nebenstrassen wieder ­hinunter zum See, um bei Berlingen erneut links in Richtung Hügel abzu­bie-­ gen. Von 400 m Seehöhe führt eine passartige Stras­se in Serpentinen auf immerhin über 700 m, wo das Restaurant Haidenhaus in Salen-­Reutenen zu einem ersten Stopp einlädt. Der Blick schweift weit über die Boden­see­land­schaft – ­natürlich bei einem Glas Süssmost!

 

Klassische Abstecher

 

Nun führen kleine Sträss­chen hinunter nach Stein am Rhein. Dieses sehenswerte Örtchen lädt zu ­einem kurzen Rundgang zwischen den bezaubernden Fachwerkhäusern ein. Nördlich des Rheins führt die Route zum Rheinfall. Schön und spektakulär ist der Blick auf die ungeheuren Wassermassen des grössten Wasserfalls Europas, die auf einer Breite von 150 m rund 23 m tief hinunter donnern.

Das nächste Ziel wird abermals über den Seerücken angefahren, die Kartause ­Ittin­gen. Hier, nicht weit von der Thur entfernt, befinden sich in der ehemaligen Klosteranlage ein nettes Restaurant, ein sehenswertes Kunstmuseum und ein Klosterladen mit Produkten, die von Menschen mit Beeinträchtigungen aus dem anliegenden Wohnheim hergestellt werden. Früher zogen sich die Kartäusermönche in die Stille ihrer Klause zurück, um Zwiesprache mit Gott zu halten. Noch heute gibt es in einem Teil des Klosters die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und zu meditieren. Zudem kann man an der Thur wunderbar spazieren.

 

Blick bis ins Alpsteingebirge

 

Nun wird es Zeit, nochmals ein paar Kilometer Asphalt unter die Reifen der Enfield zu bringen. Wir visieren Schloss Herdern und dann den Thurberg mit dem ­Biker­treff «Stelzenhof» an. Das Schloss Herdern steht im Zentrum der Gemeinde Herdern, und der älteste Teil des Gebäudes diente den Lehensherren von ­Toggen­burg als Wehrturm. Der Turm wurde im 12./ 13. Jahrhundert gebaut, ­umgeben von Mauer, Wall und Graben, während das Wohnhaus als Anbau von ­einem späteren Besitzer ­errichtet wurde. Vom gemütlichen Bier­garten des «Stelzenhofs» aus reicht der Blick über den Thurgau bis ins Alp­stein­gebir­ge – malerisch! Von da geht es steil bergab in Richtung Bodensee. Kleinste Strässchen führen an saftigen Streuobstwiesen vorbei an die Gestade des «Alpenmeeres». In Konstanz gibt es eine letzte Stärkung, bevor die Enfield zufrieden nach Hause schnauft.

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