Menschen und Politik

Michi Lindinger - Sattlerin

Firmenstart mit fünf Auf trägen

19.02.2015 00:00 (Göggel/br)

«Jetzt dörfsch dini Sackhaar wachse laa, jetz ghörsch zu öis», so die männlichen Kollegen nach einer steilen Geländeauffahrt in Spanien. Ist Michi Lindinger nicht auf dem Geländetöff, näht sie am liebsten Ledertöffsättel.


Andere schmücken die Wände im luxuriösen Büromit einem Picasso ... (Für mehr Bilder klicken)

Abhängig sein? Nein danke!

Von nun an trainierte Michi auf Motocross-Pisten. Da sie nur ihre Suzuki RMZ besass, wollte sie diese von Supermotorädern auf die Serienräder zurückbauen, so der Plan. «Ich hatte Probleme beim Umrüsten. Die eine Radmutter liess sich schlecht lösen. So fuhr ich vor dem ersten Motocross-Training in Schlatt zu einem Mech.» Dieser aber hatte auf die Schnelle keine Zeit: «Gang uf d ’Crosspischte, dä Willy isch det, dä hilft dir scho.» So fuhr Michi mit ihrem Zwitter im Bus zur Piste. Während die Mannen sich neugierig «lueg, da chunnt e Lady» zumunkelten, lud Michi im Fahrerlager ihre Suzuki aus, vorne mit einem Motocrossrad, hinten mit dem Supermotoschlappen.

«Bisch du dä Willy?», fragte sie grad aus dem Bauch heraus den Richtigen und schilderte das Problem. «Gang emal go ’s Training zahle, mir mached das scho», war seine Antwort; und sie liess es geschehen. Ganz entgegen ihrer Absicht, völlig autonom zu sein, liess sie sich sogar zu einer Proberunde im Schlepptau von Willy überreden. «Es hät gschlage und gmacht, ich bi chum vürschi cho. Das isch min Aafang im Motocross gsi.»

Irgendwann viel später sah man nicht mehr, dass sich unter der Cross-Bekleidung eine Frau befand. Michi fuhr sicherer und stetig schneller. «Woni ha chöne einigi Manne überhole, vo det a isch guet gsi», erklärt sie das gute Gefühl.

Erneut konnte sie die Rennerei nicht sein lassen. «Habe es mit Motocross probiert und wieder eine SAM-Lizenz gelöst, diesmal für den Ladys Cup», erzählt sie von früher. Zwei Saisons hielt sie halbwegs durch. «Meine Priorität war, nie abhängig zu sein. Auch mechanisch nicht. Ich wollte immer alles allein können», gibt sie einen Charakterzug preis. Auch heute noch macht Michi die Servicearbeiten an ihren Töff am liebsten selber. «Ich habe auch schon einiges kaputtgemacht deswegen», verrät sie. «Früher war das Servicehandbuch mein Lesestoff. Ich bin pingelig genau. Sogar beim ersten Versuch, einen Vergaser wieder zusammenzubauen, wollte ich mir nicht helfen lassen. Prompt habe ich den Schwimmer verkehrt herum eingebaut und mich gewundert, warum das Benzin herausläuft.»

 

Teil 1
Firmenstart mit fünf Auf trägen
Teil 2
Will nicht auf brotlosem Job aufbauen

Teil 3
Ohne jegliche Erfahrung eine Rennlizenz gelöst
Teil 4
Abhängig sein? Nein danke!
Teil 5
Einmal im Dreck, immer im Dreck
Teil 6
Steckbrief MICHI LINDINGER

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