Menschen und Politik

Aschi Strahm

Der Andy Warhol der Töffkultur

24.11.2015 00:00 (zvg/br)

Er ist mehr als ein Kind seiner Zeit: Er prägt seine Zeit. Ja, wenn wir jetzt zurückblicken, dann können wir sagen: Ernst «Aschi» Strahm ist der Andy Warhol der helvetischen Töffkultur.


Nein, dieser Töff hat keinenHeckschaden: SolcheStreetfighter waren mal derletzte Schrei. Aschi posiertedamit 2005 für einen Artikel vordem Rössli-Saloon Madiswil. (Für mehr Bilder klicken)

Der Schweizer Superbike-Bauer, der gegen den Strom schwimmt

Er baut eigene Hightech-Bikes (MOKO), als die Japaner noch gewöhnliche Feuerstühle verkaufen – aber er steigt aus diesem Geschäft wieder aus, als die Japaner selber mit Superbikes kommen. MOKO wird ab 1979 zehn Jahre lang zum Markenzeichen und steht für «Motorrad-Konstruktionsteam». Hans Hilti entwirft die Konstruktionen, Urs Scheidegger schweisst zusammen, was auf seinem Reissbrett entstanden ist, und Aschi Strahm kümmert sich um die Zulassung und den Verkauf. Die MOKOs sind nichts anderes als Umbauten von Markentöff auf der Basis eines Zentralrohr-Chassis, und es ist für die Kunden möglich, eine Höllenmaschine nach individuellen Wünschen zu gestalten. Etwas mehr als 200 dieser Einzelanfertigungen wurden gebaut. Und auch das ist typisch für den Erfolg des Nonkonformisten aus Madiswil. Von 1972 bis zur Geschäftsübergabe im Dezember 2014 war er einer der erfolgreichsten Yamaha-Händler im Land. Aber er wurde nie zum «Yamaha-Aschi». Sein eigener Name ist stärker als der einer Marke; er kommt nie in die Marken-Schublade. Alle treffen sich bei «Aschi». Die Welt veränderte sich. Das Waldsterben wurde ein dominierendes Thema, und damit wurden die Grünen eine wichtige Kraft in der Politik – aber Aschi Strahm fluchte nicht über die Linken und Grünen, wie das sonst in jenen Jahren dort der Brauch war, wo es nach Benzin und Öl roch. Er ging mit der Zeit, konstruierte Solarvehikel und nahm sogar einmal an der Tour del Sol teil, einem 1985 zum ersten und 1993 zum letzten Mal ausgetragenen Mehretappen- Rennen für Solarmobile, wobei der Beweis erbracht wurde, dass Solarenergie nicht nur in heissen Gebieten funktioniert, sondern auch in Mitteleuropa. Heute dürfen wir es sagen: Es war eine von Aschi Strahms genialsten PRAktionen. Seine Jungs schlossen nachts, wenn alle Katzen und alle Motoren grau sind, die Batterien am Strom an – und mussten dabei aufpassen, dass sie nicht über die vielen Kabel der Konkurrenten stolperten, die auch lieber der Steckdose als der Sonne vertrauten. Und als gegen Ende des Jahrhunderts der Roller zum Alltagsfahrzeug wurde, war Aschi Strahm bereits da und organisierte legendäre Rollertreffen.

 

Teil 1
Der Andy Warhol der Töffkultur
Teil 2
Der Schweizer Superbike-Bauer, der gegen den Strom schwimmt

Teil 3
Immer eine Idee mehr und mit grossen Namen
Teil 4
Ein Hexenmeister der Kommunikation
Teil 5
Erfolgreich auch als Beizer

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