Menschen und Politik

Der Schrecken des Spiegelbilds

Suzuki Hayabusa Umbau

02.08.2017 12:03 (tk/ps)

Weil er das Spiegelbild seiner Hayabusa nicht ertragen konnte, baute Falk Dirla den japanischen «Wanderfalken» kurzerhand zu einer GSX-R, wie er sie in den 80ern zu Hauf gefahren hatte, um.

«Ich finde die Hayabusa abgrundtief hässlich», erklärt Falk Dirla, während ich seine schmucke alte Suzuki GSX-R genauer betrachte. Die vermeintlich knapp 30-jährige Gixxer war nämlich einmal eine Hayabusa. Doch Falk verabscheute die Optik seines Wanderfalken (japanisch Hayabusa).

 

Vom Schrottwert zum Neo-Klassiker

 

Wieso er dennoch eine Haya­busa sein Eigen nennt, erklärt Dirla, der Werkstattchef von Arrigoni Sport, so: «Ein Kunde brachte 2014 seine verschliffene Hayabusa mit Motorschaden zur Reparatur. Der Steuerkettenspanner war verreckt, worauf alle 16 Ventile verbogen und zum Teil sogar gebrochen waren! Mit dieser Diagnose verzichtete der Kunde auf eine Reparatur. Ich erliess ihm die Rechnung für die Diagnose, gab ihm noch 150 Franken obendrauf und habe als Winterprojekt mit unseren Lehrlingen den Motor wieder instandgesetzt. Dann bin ich einmal durch die Stadt Zürich nach Hause gefahren und sah sie in diversen Schaufenstern im Spiegelbild: Furchtbar, das geht gar nicht! Aber jetzt hatte ich das Ding nun mal – und wegwerfen? Ich hab sie dann in den Keller gestellt und fast vergessen – bis mir diese Idee kam!»

 

«Low Budget-Umbau»

 

Bei Ebay hatte er gebrauchte Verschalungsteile einer 89er GSX-R 1100 erstanden. Relativ schnell stand seine Hayabusa in neuem Kleid auf der Hebebühne. Er musste viele neue Halterungen bauen und schon passte die Verkleidung erstaunlich gut. Für die optimale Anpassung kaufte er gleich noch eine zweite Frontverschalung, die es für knapp 200 Franken zu erstehen gab. Ein Problem war der breite Kühler der Hayabusa, die Verschalung verjüngt sich gegen unten also nicht so sehr wie beim Original. Für den weit nach aussen stehenden Lichtmaschinen­deckel schnitt er ein Loch in die Verschalung. Die vorderen Lufteinlässe, die zur Motor-Kühlung des damals luftgekühlten GSX-R dienten, ersetzten nun das voluminöse Hayabusa-Ram-Air-​System.

 

Anpassungsprobleme

 

«Die Montage des GSX-­R-­Schmutzfängers an der Hayabusa-Gabel war ganz schön tricky.» Für das Racing-Heckbürzel musste zudem ein neues Gerüst auf den Heckrahmen gebaut werden. Speziell am Übergang vom Sitz zum Tank wurde es schwierig. Zudem besitzt der Hayabusa-Stahltank vorne grosse Einbuchtungen für den fliessenden Übergang zur geschwungenen Verschalung. Ohne die Originalverschalung konnte man deshalb zwischen Tank und Rahmen auf die Ventildeckel runter schauen. Also schweisste Dirla einen Rahmen an den Tank, zog Blech runter und verspachtelte alles, bevor der Töff seine neue Lackierung erhielt. «Ich wollte das Design einer 86er GSX-R 1100. Mit Suzuki-Rennern hatte ich angefangen, Motorrad zu fahren, und ich bin früher immer GSX-R gefahren. Die Verkleidung hatte ich jedoch meistens runtergerissen, weggeworfen und Streetfighter gebaut, jetzt ging ich genau den anderen Weg und hab quasi einen Klassiker reproduziert», erklärt Dirla. Die noch erhältlichen Stickerkits der 86er Modells hätten auf die 89er Schale nicht gepasst, also hat er seine GSX-R selber im Wunschdesign lackiert. «Von Anfang an war klar, dass das ein Low-Budget-­Projekt werden sollte, wobei wir davon inzwischen weit entfernt sind. Zum Beispiel sind alle Stahlteile oder auch die Räder frisch pulverbeschichtet, alle Verschleissteile sind neu – ich wollte halt nicht rummurksen.»

 

Die Auspufftöpfe sind original, stehen nur etwas steiler und ragen mit kürzeren Krümmern nicht mehr so weit nach hinten. Lenkerend-Blinker passten gut in die Löcher in der Verschalung. Die kleinen Blinker hinten dienen als Licht, Bremslicht und Blinker in einem. Die MFK war kein Problem, denn seine GSX ist immer noch eine Hayabusa, die neue Farbe wurde eingetragen, alle Teile sind geprüft.

 

Neues Fahrerlebnis, gehabte Fahrdynamik

 

Der Neo-Klassiker fährt sich auch wie eine Hayabusa, nur die Sitzposition ist anders, das Heck 4 cm höher gelegt. Der Lenkkopfwinkel steht dadurch etwas steiler und andere Reifen hat sie auch. «Handlich ist sie dennoch nicht geworden, und das wird sie auch nie!» Deshalb wird sie Dirla wohl demnächst verkaufen – rund 10 000 Franken soll sie kosten. Sie war ein gutes Lehrstück, eine Beziehung baut Dirla zu seinen Umbauten nicht auf. «Bei der GSX-R war es etwas anders, denn die hab ich selber lackiert, und das ist gar nicht schlecht geworden», erklärt er nicht ohne Stolz. Nach der kurzen Probefahrt überlege ich mir tatsächlich kurz, ob es nicht toll wäre, dieses Einzelstück zu be­sitzen. Denn es ist definitiv etwas Besonderes, mit einem modernen Klassiker mit dieser Leistung rumzufahren – auch wenn es inzwischen wohl keine 175 PS mehr sind …

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