Ratgeber

Fahrsicherheitstraining Driving Center Seelisberg

Stromschlag auf der Schleuderplatte

14.05.2014 15:20 (burri/br)

Ross und Reiter auf Herz und Nieren prüfen und dazulernen: Das war das Ziel des Fahrsicherheitstrainings im Driving Center Seelisberg mit unserem Saisontesttöff Suzuki V-Strom.


Bis zu 25 cm verschiebt sichdie gelbe Schleuderplatte,wenn das Hinterraddrüberfährt, es folgt der mehroder weniger heftige Tritt inden Hintern. (Für mehr Bilder klicken)

Meine erste Ausfahrt mit dem Saisontesttöff, liebevoll auf «Suzi Q» getauft, führt mich gleich in ein Sperrgebiet. Ich habe mich für ein Fahrsicherheitstraining auf dem Seelisberg angemeldet und freue mich auf die erste Tuchfühlung mit Suzukis Reiseenduro V-Strom.

 

Wieselflink den Seelisberg hoch

Frühmorgens, bereits bei der Schlüsselübergabe, zeigt sich Rekordverdächtiges: Suzi Q hat bestimmt den längsten Zündschlüssel der Welt. Gespannt auf das zugehörige Zündschloss, nähere ich mich der Suzuki und staune zuerst über die unzähligen Schläuche, die alle mit dem offenen Ende nach unten zeigen. Ansonsten ist bei der V-Strom alles, wie es sein muss: Schalter und Anzeigen am richtigen Ort, die Bedienung erfolgt intuitiv, es kann losgehen. Der Ton gefällt, der Motor überzeugt schon nach kurzer Fahrt. Ich geniesse es auf dem 81 cm hohen Sitz und erfreue mich an den grosszügig ausgefallenen Rückspiegeln. Nur der Blinkerschalter ist etwas fummelig und braucht etwas Feingefühl. Alles in allem: Suzi Q ist ein sehr gutmütiges Moped, ich fahre wieselflink und entspannt den Seelisberg hoch bis zu meinem Ziel, dem topmodernen Trainingsparcours für das eintägige Fahrsicherheitstraining. Dies ist nun wahrlich die optimale Gelegenheit, die Suzuki näher kennenzulernen und die über die Winterpause erworbene Steifigkeit in den Gliedern loszuwerden.

 

Für ideale Bedingungen braucht es keine Sonne

Insgesamt sind wir 16 Töfffahrerinnen und -fahrer mit Zweirädern aller Gattungen, die am Training teilnehmen. Wir werden in zwei Gruppen eingeteilt und von den wörtlich erfahrenen Instruktoren begrüsst. Sogleich drehen wir die ersten Aufwärmrunden auf der regennassen Piste. «Ideale Bedingungen » heisst dies in der Instruktorensprache, während in den Reihen der Kursteilnehmer eine gewisse Unbehaglichkeit zu spüren ist. Trotzdem befolgen alle brav die Anweisungen der Kursleiter, fahren um die Pylonen herum und durch die Spurgasse und drehen die obligaten Achterrunden. Ich erinnere mich an meine Anfangszeit auf dem Töff, und auch die Suzuki scheint sich zu erinnern, denn sie lässt sich problemlos durch alle Hindernisse manövrieren. Auch sehr enge Kehren sind ein Klacks, und mit zunehmendem Tempo gehts immer lockerer durch den Slalomparcours. Wirklich beeindruckend, das leichtfüssige Handling von Suzi Q.

Nach einer kurzen Pause und einer eindrücklichen Expertendemonstration in Sachen Bremstechnik, Geschwindigkeit und deren Auswirkung auf den Bremsweg gehts ans Umsetzen. Ich vertraue der Japan-Technik mit ABS und steige mutig volles Rohr in die Bremsen. Das Vertrauen macht sich bezahlt: Spurtreu und sicher kommt die Suzuki zum Stehen. Die Verzögerung ist beeindruckend und schafft noch mehr Vertrauen in die grosse Reiseenduro.

 

Eine kalte Platte zum Apéro

Und wieder lange Gesichter in den Reihen, als die Fahrt über die Schleuderplatte ansteht. In einer Rechtskurve verschiebt sich eine bewegliche Bodenplatte nach aussen, sobald das Hinterrad drüberfährt. Und das bis zu 25 cm weit. Diesen Schreckmoment kennen wir von Kanalisationsdeckeln oder Bitumenstreifen, wenn das Hinterrad zur Seite wegrutscht. Und jetzt also absichtlich? Nervöses Gemurmel in der Menge, diskretes Vortrittlassen in der Kolonne. Da im Bereich der Platte keine Sturzspuren zu sehen sind und die Instruktoren glaubhaft versichern, dass es nicht gefährlich sei, wage ich mich in die Kurve und warte auf den Tritt in den Hintern. Aufatmen! Die Suzuki zeigt sich einmal mehr von der Sonnenseite und steckt den Hieb anstandslos weg. Auch heftigere Schübe bringen sie nicht aus der Ruhe. Ich gehe zufrieden zum Mittagessen.

 

Gefilmte Gruppenausfahrt

Am Nachmittag verlassen wir den geschützten Rahmen des Trainingszentrums und fahren, begleitet vom Instruktor mit Helmkamera, hinunter nach Beckenried und wieder zurück. Jeder wird gefilmt, und wir begeben uns in den Theoriesaal zur Analyse. Vorher diskutieren wir kurz über Linienwahl, Bremstechnik und Blickrichtung. Wir werden von den Instruktoren über die Erkenntnisse und Empfehlungen aus der Praxis informiert und einigen uns auf die optimalen Lösungen.

Unter diesen Aspekten schauen wir uns die Videos an und diskutieren in der Gruppe über die unterschiedlichen Fahrstile. Ungewohnt, aber sehr interessant und aufschlussreich ist es, nun auf Leinwand hinter sich selber herzufahren und den eigenen Fahrstil zu beurteilen. Die Suzuki hat offensichtlich nicht alles ganz richtig gemacht, aber das war eher nicht ihre Schuld. Mit den Ratschlägen aus den Analysen gehts nochmals auf die Strasse, um das neu Gelernte umzusetzen. Logischerweise lässt sich der eigene Fahrstil nicht einfach umkrempeln, aber die frisch gewonnenen Erkenntnisse und Ratschläge nehmen wir alle gerne mit in die neue Töffsaison.

Nach der Diplomübergabe gehts zufrieden und auch erschöpft nach Hause. Ich lasse mich von der Suzuki auf der Autobahn heimgondeln und geniesse den Schutz der Scheibe und die entspannte Sitzposition. Kurz vor der Einfahrt in die heimische Garage gibt es noch einen Halt an der Tankstelle: 7,3 Liter sind durch den Schlauch geflossen. Ergibt einen Verbrauch von 5,5 l auf 100 km. Etwas höher als erwartet, wurde die Suzuki doch den ganzen Tag nur sehr moderat bewegt.

 

Der Verzicht auf das Wettrüsten zahlt sich aus

Suzuki hat mit der Investition in die Abstimmung von Motorleistung, Fahrwerk und Komfort die richtige Entscheidung getroffen. Die 100 PS (auf dem Papier) reichen völlig, und das Drehmoment erlaubt schaltfaules Fahren. Der Verzicht auf ein Wettrüsten zahlt sich überzeugend aus. Ich freue mich auf die nächste Ausfahrt mit der V-Strom und bin nach Absolvierung dieses Fahrtrainings nun bestens dafür vorbereitet.

 

 

 

DAS SPERRGEBIET: EVENT- UND SICHERHEITSZENTRUM SEELISBERG

 

 

Auf 34 000 m2 Fläche bietet das Ende Juni letzten Jahres in der heutigen Form eröffnete Event- und Verkehrssicherheitszentrum am Dorfeingang von Seelisberg UR nebst Fahrsicherheitstrainings auch viele Möglichkeiten im Eventbereich. Damit ist den Planern und Erbauern im ehemaligen Kieswerk Laui ein echtes Schmuckstück gelungen. Die idyllisch gelegene Anlage verfügt über alles, was ein zeitgemässes Fahrsicherheitszentrum braucht. Der modern ausgerüstete Theorieraum befindet sich in einem der hübschen Blockhäuser am Pistenrand. Auch der Einbezug von Offroad-Elementen ins Training ist möglich.

Vor zehn Jahren führte Hans Schori, Besitzer des Zentrums, die ersten Fahrsicherheitstrainings durch und baute die Anlage fortlaufend aus. Es werden Fahrsicherheitskurse für Lastwagen oder Reisecars und Autos bis hin zum Motorrad angeboten. Dazu stehen auf den zahlreichen Pisten zwei Schleuderplatten (Lastwagen und Töff), mehrere Gleitflächen, eine Kuppe sowie diverse Kurvenradien und verschiedene Zeit- und Geschwindigkeitsmessanlagen zur Verfügung. Hindernisse können wie aus dem Nichts hervorgezaubert und den Teilnehmern vor die Nase gesetzt werden.

Die Trainings werden von ausgewiesenen Spezialisten geleitet, welche den Anforderungen des Verkehrssicherheitsrates (VSR) entsprechen. Nebst den Fahrsicherheitstrainings bietet das Eventgelände sechs Schulungs- und Präsentationsräume sowie eine Eventhalle mit 500 m2 Fläche an, welche sich vor allem für Indoor- Aktivitäten und Schulungen am Fahrzeug selber eignet.

www.eventseelisberg.ch

 

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