Ratgeber

Spass im Dreck

MX-Academy

05.12.2017 16:04 (ps)

Die MX-Academy von und mit Chris Moeckli – selbst zweifacher MX-Europa­meister (IMBA) und mehrfacher Schweizermeister (SAM) – bietet Motocross- und Enduro­trainings für verschiedenste Niveaus und Ansprüche an. Wir haben ein Moto­cross­training für jedermann in Emmingen (D) besucht und uns auf die Piste gewagt.


Auch für Onroad-Piloten ist ein Tag im Dreck ein Heidenspass. (Für mehr Bilder klicken)

Die Schiere Anzahl an Angeboten der MX-Academy sticht beim Besuch auf der Website spätestens nach einem Klick auf «Veranstaltungskalender» direkt ins Auge. Vor allem im Sommer gibt es jede Woche und praktisch jedes Wochenende etwas zu tun. Ich stöbere also durch die Termine, um ein passendes Datum zu finden, am liebsten in der Schweiz. Da aber auch mein Terminkalender schon ziemlich voll ist, entscheide ich mich schliesslich für ein Motocross-­Training im deutschen Emmingen, rund 40 km nordöstlich von Schaffhausen. Das kleine Dörfchen und die etwas ausserhalb gelegene Cross-Strecke sind über die Autobahn und eine gut ausgebaute Überlandstrasse schnell erreicht. Nur die Überbleibsel der heftigen Gewitter in der vorangegangenen Nacht bereiten mir etwas Sorgen.

 

Wie auf Eis

Und meine Befürchtungen sollten sich bewahrheiten – aber dazu später mehr. Los geht dieser Tag mit der Begrüssung durch Chris und den Formalitäten: Kursgebühr entrichten, Einteilung in Stärkeklassen, Material fassen und los. Aber halt, zuerst ist Zuhören angesagt. Chris erklärt und demonstriert: Sitzposition, Grundposition im Stehen, Gewichtsverlagerung, Bremsen, Beschleunigen, Schalten und, und, und – ganz schön viel Information für einen frühen Samstagmorgen. Und zu guter Letzt kommt er noch auf meine Befürchtung zu sprechen: «Die Strecke ist wegen des Gewitters gestern noch ziemlich nass, es könnte also rutschig sein». Und wie glatt es war! Bremse hinten: rutscht. Bremse vorne: rutscht. Beide gleichzeitig: na? Ja, rutscht. Ideale Bedingungen also für die doch relativ ­vielen MX-Neulinge.

 

Der Sonne sei Dank

Doch Rettung naht. Und zwar in Form der immer stärker und wärmer scheinenden Sonne, die die Piste mehr und mehr abtrocknet. Jetzt gehen auch die Fahrtechniken leichter von der Hand. Gemäss Chris’ Motto «schneller wird man nur durch bessere Fahrtechnik, nie durch mehr Kraft oder Risikobereitschaft» ist auch das Training in verschiedene Fahrtechniken aufgeteilt. Zuerst geht’s darum, das Fahren im Sitzen zu meistern. Dazu gehören natürlich auch die richtige Technik beim Kurven­fahren und die Gewichtsverlagerungen beim Beschleunigen und Bremsen. Wer diese Stufe gemeistert hat, wird von Chris oder einem seiner Instruktoren rausgewunken und in der Fahrtechnik im Stehen geschult. Nun gilt es, die ganze Strecke stehend zu absolvieren. Immer wieder pflücken die Instruktoren einzelne Teilnehmer raus, um ihnen Tipps und Feedback zu geben. So fühlt sich das Ganze fast wie ein Privatcoaching an, obwohl es doch einige Fahrer in der Gruppe hat.

Nach einigen stehenden Runden, die mehr oder weniger souverän absolviert wurden, folgt dann die «Freigabe» zum gemischten Fahren. Für mich bedeutet das, überall zu stehen, ­ausser in den Kurven. Zu beginn lässt Chris seine Schützlinge hier aber selbst ausprobieren, was funktioniert und was eher nicht. Durch diese Kursmethode können alle Teilnehmer in ihrem Tempo lernen. Erfahrene und Schnellbegreifer müssen nicht auf Langsamere warten, und wer unsicherer ist, wird nicht durch hohe Ansprüche gestresst.

 

Immer schön hydrieren

Alle paar Runden wird zudem das Bike getauscht, dies gilt zumindest für all jene, die nicht mit dem eigenen Motorrad teilnehmen, sondern auf eine Leih­maschine setzen. Diese Zwangspausen mögen mühsam klingen, doch in der ­Realität sind sie Gold wert. Denn erst einige Sekunden nach dem Absteigen – wenn der Adrenalinspiegel etwas sinkt – wird ­einem klar, wie erschöpft der Körper bereits ist, und dass er unbedingt neue Flüssigkeit braucht. Gut, dass den ganzen Kurs über immer genügend Getränke mit und ohne Zuckerzusatz bereitstehen, damit die Batterien geladen werden können. Die Pausen helfen zudem, sich an einzelne Punkte der Fahrtechnik zu erinnern. Immer wieder repetiere ich im Kopf: «Die Arme locker lassen, nicht klammern!». Und wirklich, nach jeder Pause geht’s ein Stück besser, entspannter und gefühlt auch schneller um den Kurs. Dieser ist übrigens auch für Offroad-Neulinge relativ gut zu bewältigen, da grosse Sprünge umgangen – oder besser umfahren – werden können. Da er in einem kleinen Tal liegt, gibt es aber zahlreiche Bergauf- und Bergabstrecken, welche die Piste auch für fortgeschrittene Fahrer durchaus inte­ressant macht.

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