Roller

Saisontest Kawasaki J 300

Der Muntermacher

01.02.2015 00:00 (jm/vd)

Kawasakis Last-Minute-Einstieg in den Rollermarkt mit dem Namen J 300 hat auf Anhieb eingeschlagen: Von Januar bis Oktober 2014 setzte die Fibag AG 261 Einheiten ab, das drittbeste Resultat eines Mittelklasse-Scooters hinter den Klassikern Vespa GTS 300 (570 E.) und Yamaha X-Max 250 (534 E.). Nur dank dem heissen Superbike-Look?

Bei der Vorstellung des allerersten Scooters der für ihre PS-Bomben berüchtigten Superbike-Schmiede Kawasaki (siehe MSS 3/2014) im Januar unter der portugiesischen Frühlingssonne schlug unser Herz tatsächlich bereits beim Anblick der gekonnt stilistisch aufgepeppten Kymco-Basis höher. Das sportliche, unbeirrbare Handling und das von Bosch optimierte ABS taten den Rest: «Das Zeug» musste her zum ausgedehnten Test!

 

Nur ein Blender?

Nun, dass vor allem die schwarz/grüne Version mit dem bösen Blick, den Leichtmetall-Nachahmungen auf der Lenkerplatte und den Flanken kauffördernd wirkt, beweisen die Absatzzahlen, insbesondere im Vergleich mit den Einlösungen der Pate stehenden (günstigeren) Kymco-Modelle gleichen Hubraums. Kawa J 300: 261 E.; Kymco DownTown 300: 70 E.; Kymco People S 300 gar nur deren 33, K-XCT 300 magere 6.

Doch unser über 3000 Kilometer führender Test hat gezeigt, dass die kleinen, aber feinen Retuschen sowie eine sehr wahrscheinlich strengere Qualitätskontrolle zu einer erstaunlichen Zuverlässigkeit und vor allem zu erquickenden Fahreigenschaften geführt haben. Beinahe töfflike zwickts sich um die engsten Kurven, (relativ) unbeirrbar spurstabil in schnellen weiten Bögen und für eigentlich bescheidene 300 cm3 ganz schön kräftig bergauf. Das Ganze verblüffend krampf- und ermüdungsfrei, sodass wir uns weit hinaus aus dem Ballungsgebiet trauten, auf die grossen Schweizer Pässe und gar in die ferne Auvergne (F). Dabei unterstützt von einer beachtlichen Tankreichweite von über 300 km.

Die hohe Zubehörwindschutzscheibe schützt ganz prima, das separat verrechnete Topcase ergänzt den recht grossen Untersattel-Stauraum, in dem bei sachgemässer Unterbringung zwei Helme Platz finden. Die 12-V-Buchse ist serienmässig, für die Navi- Halterung bezahlt man extra. Heizgriffe gibts keine – ist ja ein Sportgerät, oder? Mit an Bord ist nicht nur ein Seitenständer, sondern auch ein sehr stabiler Hauptständer. Einzig fehlt vor allem für den Umsteige-Automobilisten eine Feststellbremse, doch diese kann kostenlos durch einen alten Luftschlauchanschnitt ersetzt werden, der beim Abstellen auf schiefer Ebene den Vorderbremshebel am Lenker zieht.

Ergo eine durchaus erfreuliche Bilanz, die, unterstützt durch die neue weisse Farbgebung (ersetzt die silbrige und die schwarze Version), bestimmt für eine Verdoppelung des Vorkommens dieses sympathischen Kleinrad-Superbikes auf unseren Strassen sorgen wird.

Teil 1
Der Muntermacher
Teil 2
Technische Daten

««zurück
NEU! ePaper hier lesen!

Newsletter abonnieren

* Pflichtfeld