Test und Technik

Test und Technik

Alleskönner

29.04.2002 00:00 (Text: Daniel Riesen / Bilder: Jean Mesnil/Riesen)

Stattliche Erscheinung, vielseitig talentiert, Muskeln in nicht übertriebenen Proportionen: Mit der Suzuki V-Strom und der Yamaha TDM stehen die Zehnkämpfer unter den Motorrädern zum Test bereit. (Den vollständigen Artikel finden Sie in Moto Sport Schweiz 9/2002, welches ab dem 2. Mai am Kiosk erhältlich ist.)


Lange konnte man ungestraft behaupten, in Yamahas ansonsten sehr breiter und ziemlich vollständiger Modellpalette klaffe eine Lücke. In der Kategorie der Reise-Enduros, in fernen Zeiten auf einer bayrischen Alm (oder doch von Ténéré-Forschern?) erfunden, hatte die Firma mit den drei Stimmgabeln nichts zu bieten. Suzuki sogar gar nichts.

Inzwischen haben sich die Lücken geschlossen. Yamaha hat zwar «nur» ihre beliebte, bewährte, vielleicht nicht immer für ganz voll genommene TDM rund erneuert, und diese TDM ist zwar auch als TDM900 keine Reise-Enduro. Doch weil das Thema anders interpretiert wird als früher, sind die Unterschiede zwischen einem Allround-Sportler wie der Yamaha und einem Enduro-Sportler wie der DL 1000 nicht gross. Würde man einen Blindtest durchführen, was zugegebenermassen heikler ist als an einer Weindegustation; viele Piloten müssten wohl ein ganzes Weilchen fahren, bis sie zweifelsfrei die Reise-Enduro unter den beiden herausfiltern könnten.

Verwechslungsgefahr besteht ja schon auf den ersten Blick. Beide stehen sie, auf grossen Vorderrädern, hochbeinig da. Beide blähen sie ihre gelben Backen, runder jene der Yamaha, eckiger und mit mehr Volumen jene der Suzuki. Die spitze Front verrät Angriffigkeit, das üppige Polster am Heck verspricht Komfort. Beide beziehen ihre Kraft aus zwei Zylindern. Doch damit haben sich die Gemeinsamkeiten erst einmal erschöpft. Es gilt, sich den Motoren genauer zu widmen, denn hier stecken womöglich die grössten Unterschiede zwischen TDM und V-Strom.

Kultur gegen Bizeps
In Yamahas 900 wohnt innere Ruhe und grosse Kultiviertheit. Vielleicht wäre der Paralleltwin gar langweilig, würde nicht ein mutwillig asynchron montierter Hubzapfen auf der Kurbelwelle die Kolben im Vierteltakt versetzt - für den guten Ton - beben lassen. Was übrig bleibt an Vibrationen, bügeln zwei Ausgleichswellen effizient glatt. Kombiniert mit einem weich agierenden Getriebe und einer leichtgängigen Kupplung gelingt eine seidene Fahrweise, die uneingeweihte Beifahrer einem modernen Automatikgetriebe zuschreiben könnten. Freude macht auch die Direktheit der Einspritzanlage. Nur die ziemlich rauen Lastwechsel, sogar beim Gaszudrehen, trüben etwas die Wonne.

Mit vergleichsweise deftiger Patschhand langt hingegen der etwas grössere V2 der V-Strom zu. Kein Wunder, wurde doch das kurzhubigere Aggregat für sportlichere Motorräder der TL-Reihe entworfen, für die DL 1000 lediglich bei der Gemischaufbereitung gezähmt. Unflätig benimmt sich der Twin aber keineswegs. Die Gasannahme ist sanft, erst deutlich unter 2500/min stellt sich das für grosse V2 typische Gehacke auf der Kette ein. Es ist die schiere Kraft, die sich den Weg ans Hinterrad sucht. Man muss sich das so vorstellen wie den Unterschied beim Händedruck zwischen Leonardo Di Caprio und Noldi Schwarzenegger. In Sprintrennen kann die V-Strom auf die TDM nur wenige Meter gutmachen, doch der dumpfe Bumms aus mittlerer Drehzahl so ab 4000/min macht stets von Neuem Freude. In der Höchstgeschwindigkeit wirkt sich die Mehrleistung der Suzuki kaum aus, weil sie in den zwei obersten Gängen elektronisch auf 200 km/h eingebremst wird.

Für Lange geeignet
Die Alleskönner von Suzuki und Yamaha sind also mit tauglichen Motoren für die vielfältigen Aufgaben des Lebens gewappnet. Im Alltag jedoch sind es oft banalere Dinge, die den Wohlfühlfaktor einer Motorradfahrerin oder eines Motorradfahrers steigern. Zum Beispiel, wie ein Fahrzeug so in der Hand liegt. Beim Herumstossen zum Beispiel. Geht mit der TDM locker, schliesslich wiegt sie voll getankt nur rund 220 kg, nicht mehr als eine Honda CBR 600 vor fünf Jahren. Die Suzuki wirkt wuchtiger, doch geht auch sie in ihrer Klasse als Fliegengewicht durch: Voll getankt unter 240 Kilo, das ist in der Welt der Gross-Enduros ein guter Wert. In einem Vergleich der Reise-Enduros würde die V-Strom das Kapitel «Schieben» locker gewinnen. (...)


(Den vollständigen Artikel finden Sie in Moto Sport Schweiz 9/2002, welches ab dem 2. Mai am Kiosk erhältlich ist.)



««zurück
NEU! ePaper hier lesen!

Newsletter abonnieren

* Pflichtfeld