Test und Technik

Suzuki GSX-S 1000

Nackte Kanone, Teil 2

19.04.2015 00:00 (lü/br)

Nach der nur in der Schweiz erhältlichen Virus baut Suzuki nun selbst eine nackte Kanone mit dem Motor des Supersportlers GSX-R 1000.


Nach der nur in der Schweiz erhältlichen Virus baut Suzuki nun selbst einenackte Kanone mit dem Motor des Supersportlers GSX-R 1000. (Für mehr Bilder klicken)

Fahrleistungen fast wie ein 1000er-Sporttöff

Der Motor lässt sich im sechsten mit Innerortsgeschwindigkeit ruckelfrei fahren, ab 1500/min kann man moderat beschleunigen – wie bei einem braven Touring-Vierzylinder. Ab 4000/min hat man schon strammen Wind in den Segeln, ab 8000/min zischt man auf einer jaulenden Rakete zum Horizont. Ohne Gegenmassnahmen des Fahrers strebt das Vorderrad über Kuppen oder Wellen unter voller Beschleunigung himmelwärts. Die Drehzahlgrenze auf dem Tourenzähler ist bei 11 500/min platziert, der Begrenzer kommt aber erst bei 12 000 – dann hat man im zweiten Gang 170 drauf. Obwohl der Sportmotor für den Einsatz im Roadster auf mehr Durchzug zulasten der Spitzenleistung getrimmt wurde, obwohl der Begrenzer 1500/min früher eingreift und auch noch die Sekundärübersetzung mit einem Zahn mehr auf dem Zahnkranz verkürzt wurde, muss diese Saftwurzel zusätzlich elektronisch auf echte 240 km/h Höchstgeschwindigkeit eingebremst werden, auf dem Tacho stehen dann die Ziffern 253. Nett zu wissen, aber wenig relevant, denn es gibt keinen Windschutz – gar keinen. Im tosenden Orkan wünscht man sich wenigstens zwei analoge Rundinstrumente vor die Nase, doch das Digitalcockpit ist so tief montiert, dass man voll im Wind hängt. Auch die hochgeklappte Schlossabdeckung des Tankdeckels hilft nicht. Das optionale Windabweiserchen wär wohl keine schlechte Idee. Nicht nur die schiere Leistung verlangt nach einem erfahrenen Piloten, auch die Gasannahme braucht Aufmerksamkeit. Es gab Unterschiede zwischen den Testmaschinen, doch butterweich nahm im Scheitelpunkt kein Testtöff das Gas an. Der Lastwechselschlag lässt sich einerseits über die gut dosierbare Seilzugkupplung absoften. Andrerseits nimmt der Motor sanfter Gas an, wenn man den Gasgriff nie bis zum Anschlag zudreht, sondern immer ein ganz klein wenig offen hält. Je länger man mit zugedrehtem Gas rollt, etwa bergab auf eine Kehre zu, desto härter fällt der Leistungseinsatz aus, sofern man nicht vorsorgt, indem man das Gaskabel leicht spannt und mit der Hinterbremse dagegenhält. Die Gemischaufbereitung der 2005er GSX-R wurde beibehalten, das heisst, der Fahrer steuert direkt über den Gaszug die Primärdrosselklappe, die Motorelektronik greift per Stellmotor über eine zweite, vorgeschaltete Drosselklappe ein.

 

Teil 1
Nackte Kanone, Teil 2
Teil 2
Kein Handschmeichler für Leute ohne Hornhaut

Teil 3
Fahrleistungen fast wie ein 1000er-Sporttöff
Teil 4
Gelungene Elektronik – zumindest für mich
Teil 5
Ohne Sonderfall wirds preisgünstiger
Teil 6
Meine Meinung
Teil 7
Technische Daten SUZUKI GSX-S 1000

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