Test und Technik

Einfache Freuden

BMW R nineT Urban G/S

05.12.2017 20:26 (jd/ps)

Die Version Urban G/S der BMW R nineT hat zwar einen Offroad-Look bekommen und taugt auch brav für unbefestigte Wege, aber für echten Enduro-Einsatz ist sie nicht gedacht. Dafür glänzt sie auf der Strasse mit guten Manieren undeinem höchst ansehnlichen Look.


Für die Hard-Enduro-Rally ist die Urban G/S nicht gemacht, für die Schotterpiste reicht sie aber allemal. (Für mehr Bilder klicken)

Das Bayrische Glücksrezept im Neo-Vintage-­Kleid: Im Schritttempo auf einen Kiesweg einbiegen, dann kräftig Gas geben, und das Hinterrad wird trotz ASC-Traktionskontrolle (Zubehör: CHF 390.–) fröhlich und dennoch kontrolliert durchdrehen … Die seit 2017 die «Heritage»-Familie bereichernde, technisch von der R nineT abgeleitete Urban G/S ist optisch der Urahnin der GS-Baureihe, der R 80 G/S aus den 1980er-Jahren, angeglichen. Die Lettern G/S kennzeichnen den dualen Einsatzbereich im Gelände und auf der Strasse. Zumindest optisch ist die R nineT Urban G/S nahe an ­ihrer Stammmutter dran. Da sind der luftgekühlte ­Boxer, der klassisch hoch montierte Schmutzfänger über dem Vorderrad, der bauchige Tank und weitere an die gute, alte Zeit erinnernde Details wie etwa der rot eingefärbte Sattel.

 

Alles da, was echt gebraucht wird

Wie bei der R nineT Scrambler soll das 19 Zoll grosse Vorderrad das Fahren abseits der asphaltierten Stras­sen erleichtern, genauso wie die Mixed-Reifen Metzeler Tourance Next. Die auf unserem Testtöff montierten, schönen Kreuzspeichenräder sind leider aufpreispflichtig (CHF 480.–). Doch ganz klar: Der Look begeistert. Aber auch die Ausrüstung ist eine reine Freude. Man hat alles, was man braucht, aber nicht mehr: einen runden Analog-​Tacho, ein kleines Digital-​Display mit Tripanzeigen Gesamtkilometerzähler, Uhr und Verbrauchsanzeige. Brems- und Kupplungs-Handhebel sind individuell einstellbar.

 

Reiten auf der Drehmoment-Woge

Der Sattel ist für längere Ausfahrten zu zweit etwas kurz geraten, dafür gibt es wie früher zwei Metallbuchsen, um das Gepäck festzuzurren. Der Boxer-­Motor ist mit mächtig Dreh­moment von unten bis oben vollgestopft. Man hat im Nu die in der Schweiz zulässigen Limiten erreicht, auf der Autobahn ist laufruhiges Cruisen kein Problem – abgesehen vom bescheidenen Windschutz hinter der kleinen Cockpitverkleidung. Der 17-l-Tank erlaubt Etappen von mehr als 300 km, aber der harte Sattel wird die meisten früher zu einer Pause zwingen. Der Enduro-Look lässt hohe Offroad-­Qualitäten der Urban G/S erwarten, täuscht aber etwas. Neben den auf feuchtem Untergrund kaum Grip bietenden Reifen verhindert der tief und weit vorn montierte Lenker eine natürliche stehende Position. Offroad-Wandern auf Kieswegen ist aber absolut kein Problem.

 

Urban statt Gelände

Anständig, aber nicht top benimmt sich sie die BMW im städtischen Dschungel. Auf winkligen Strässchen ist die Urban G/S mit ihrem drehmomentstarken Boxer im Element. Die nur hinten einstellbaren Federelemente schlucken die Schläge zwar gut, von Komfort erster Klasse kann aber nicht die Rede sein. Der lange Radstand garantiert einen stabilen Geradeauslauf. Die Agilität hält sich in Grenzen, dafür lässt sich die Urban G/S flüssig und präzis durchs Kurvenlabyrinth schwenken. Beim heftigen Angasen und Runterschalten brabbelt’s wiederholt kräftig aus dem Schalldämpfer. Das passt zum Charakter und macht irgendwie süchtig.

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